Monat: Juli 2024

Am Nord-Ostsee-Kanal

Große Pötte ganz nah erleben

Als Kind war der Kanal für mich überhaupt nichts Besonders. Er war da und gehörte zur Landschaft einfach dazu. Erst als junger Erwachsener wurde mir dann klar, dass wir etwas Einzigartiges direkt vor der Haustür haben.

Der Nord-Ostsee-Kanal bei der Grünentaler Hochbrücke.

Seit mehr als 125 Jahren durchschneidet der knapp 100 Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal (NOK) Schleswig-Holstein – von der Elbmündung bei Brunsbüttel bis zur Kieler Förde. 

Mit dem Bau des NOK wurde 1887 begonnen. Nach nur acht Jahren Bauzeit fand die feierliche Eröffnung bereits 1895 statt. Als meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt verbindet er seitdem die Handelszentren der Ostsee mit den Häfen der großen weiten Welt.

Auf seinem Weg von der Elbe zur Kieler Förde verläuft der Kanal durch recht unterschiedliche Landschaften. Von Brunsbüttel aus durchquert er zunächst ein Niederungsgebiet, das zum Teil tiefer als der Meeresspiegel liegt. Bei Hochdonn beginnt die Dithmarscher Geest, eine hügelige Landschaft, die während der vorletzten Eiszeit (vor 200.000 bis 125.000 Jahren) geformt wurde. 

Hinter der Grünentaler Hochbrücke ändert sich das Landschaftsbild erneut – es wird wieder flacher. Hier geht die Geest in das Niederungsgebiet der Eider und ihrer Zuflüsse über. Hinter Rendsburg beginnt schließlich das landschaftlich reizvolle östliche Hügelland, das in der letzten Eiszeit entstand, die vor 12.000 Jahren endete. 

Doch der Kanal führt nicht nur durch abwechslungsreiche Landschaften, auch interessante Städte und kleine Ortschaften liegen unmittelbar an seinen Ufern. Auf seiner gesamten Länge sind Zeugen technischer Meisterleistungen der damaligen Ingenieurskunst zu sehen und oft haben scheinbar einfache Dinge und Orte eine interessante Geschichte zu erzählen.

Faszination NOK

Immer noch übt der Kanal eine ganz eigene Faszination aus, der sich wohl keiner entziehen kann. Wo sonst auf der Welt lassen sich Kreuzfahrtschiffe und Frachter auf großer Fahrt von so Nahem beobachten? Wo sonst kann man mit dem Fahrrad neben ihnen herfahren?

Ein Paradies für Vogelbeobachter

Die Vögel sind zweifelsohne die spektakulärste Tiergruppe, die im Nationalpark und in seinen Randbereichen zu beobachten ist. Sie gibt es überall an der gesamten Westküste, manche Arten treten teils in spektakulären Mengen auf. 

Gerade dieser Vogelreichtum ist es, der über das ganze Jahr hinweg zahlreiche Vogelbegeisterte in die Bereiche in und um das Wattenmeer zieht – Besucher von außerhalb ebenso wie Einheimische. Und ich muss gestehen, auch ich gehöre zu den Menschen, die von der Vielfalt der Vogelwelt jedes Mal aufs Neue fasziniert sind.

Vögel kommen zwar überall an der Westküste vor, aber es gibt auch Hotspots, in denen sie besonders zahlreich anzutreffen sind. Hier wurden Hütten oder Aussichts-Plattformen errichtet, von denen aus störungsfrei beobachtet werden kann.

Brutvögel, Durchzügler und Wintergäste

Manche Arten sind das ganze Jahr über anzutreffen, andere kommen aus dem Süden, um in den Sommermonaten bei uns zu brüten, während in den Wintermonaten Gäste aus dem Norden zu beobachten sind. 

Im Frühjahr und Herbst fasziniert der Vogelzug. Dann verwandeln sich das Wattenmeer und die angrenzenden Bereichen zu dem vogelreichsten Gebiet Europas. Bis zu 12 Millionen Vögel nutzen es im Laufe des Jahres. Für die meisten von ihnen ist das Wattenmeer nur eine Zwischenstation, denn ihre Brutplätze liegen weit im Norden, in den arktischen Tundren von Grönland bis Sibirien. Für sie ist das Watt ein üppig gefüllter Tisch, an dem sie sich die dringend benötigten Fettreserven für ihre mehrere Tausend Kilometer weiten Zugstrecken zwischen den Brut- und Überwinterungs-Gebieten anfressen können.

Die Vielfalt der Vogelwelt

Über das ganze Jahr hinweg kann man Vögel beobachten. Das Artenspektrum ist vielfältig und je nach Jahreszeit variiert die Anzahl der Arten und Individuen. Mit etwas Glück sind auch seltene Arten zu sehen.

Allgegenwärtig – überall und zu jeder Jahreszeit – sind die Möwen. Sie sind die typischen Küstenvögel, die weder zu übersehen noch zu überhören sind. Möwen haben sich an den Menschen gewöhnt, sie sind überhaupt nicht scheu. Im Gegenteil, manchmal sind sie sogar recht aufdringlich.

Oft werden Seeschwalben mit Möwen verwechselt. Die eleganten Flugkünstler sind aber nicht das ganze Jahr hier, sondern kommen aus den Süden zu uns, um hier zu brüten.

Enten und Gänse sind auf den Grünland- und Wasserflächen der Köge regelmäßig in großer Zahl anzutreffen.

Auch ist eine Vielzahl unterschiedlicher Watvogel-Arten zu beobachten. Die häufigsten sind die Austernfischer und die Rotschenkel, obwohl selbst bei ihnen die Bestände rückläufig sind. 

An der Küste sind aber nicht nur die typischen Meeresvögel zu beobachten. In den Randbereichen des Nationalparks sind auch Wiesenbrüter anzutreffen, die anderorts aufgrund intensiver Grünland-Nutzung bereits recht selten geworden sind. Dazu gehören der Kiebitz und die Feldlerche, die sich im Frühling vielerorts noch singend in die Lüfte schraubt.

Über die Ankunft eines Zugvogels freue ich mich jedes Jahr aufs Neue – auf die Kampfläufer. Viele Männchen beginnen schon hier bei uns, ihr Prachtkleid anzulegen. Manche fangen sogar schon mit ihren Balz-Ritualen an, die man mit ein wenig Glück beobachten kann. 

Mit etwas Glück ist auch der König der Lüfte zu beobachten – der Seeadler. Es ist schon ein besonderer Anblick, den großen Greifvogel majestätisch durch die Lüfte gleiten zu sehen.

Inseln und Halligen

Zwei besonders verheerende Sturmfluten – die von 1362 und die von 1634 – gaben der Nordfriesischen Küste ihr Gesicht. Die Küstenlinie wurde weit nach Osten verschoben, die Halbinsel Eiderstedt nahm ihre heutige Form an, die Nordfriesischen Inseln und Halligen entstanden.

Der Leuchtturm auf der Insel Amrum.

Fünf Inseln liegen vor der nordfriesischen Küste: Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm und Nordstrand. Sie gehören nicht zum Nationalpark, können also jederzeit besucht werden. Wie es sich für Inseln gehört, können Amrum, Föhr und Pellworm nur mit Fähren erreicht werden. Sylt ist durch einen Eisenbahn-Damm, Nordstrand durch einen Straßen-Damm mit dem Festland verbunden.

Vor der Küste Dithmarschens liegt die Insel Trischen. Sie gehört zur Kernzone des Nationalparks und darf daher nicht betreten werden.

„Schwimmende Träume“ nannte Theodor Storm einst die Halligen, denen er mit seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ ein literarisches Denkmal setzte.

Die zehn Halligen sind kleine, nicht eingedeichte Marsch-Eilande, die wie ein Ring die Insel Pellworm umgeben. Mehrmals im Jahr werden die Halligen während Sturmfluten überflutet, lediglich die Warften mit ihren Häusern ragen dann wie kleine Inseln aus dem Meer.

Auf fünf der Halligen – Hooge, Langeneß, Oland, Gröde und Nordstrandischmoor – sind die Ländereien in Privatbesitz. Diese können jederzeit besucht werden, auch gibt es dort Unterkünfte, um dort den Urlaub zu verbringen. 

Norderoog befindet sich im Besitz des Naturschutzvereins Jordsand, die Hamburger Hallig, Habel, Südfall und Süderoog sind Eigentum des Landes Schleswig-Holstein. Für diese fünf Halligen gelten gesonderte Besuchs-Regelungen.

Roter Sandstein prägt das Gesicht der Insel Helgoland.

Wenn wir von den Inseln reden, darf natürlich Helgoland nicht vergessen werden. Die Rote Insel ist aber ein Sonderfall, denn sie liegt – anders als die anderen Inseln – weitab von der Küste, außerhalb des Wattenmeeres. Helgoland ist in vielerlei Hinsicht ein lohnendes Reiseziel. Auch der Naturfreund wird auf der Insel auf seine Kosten kommen, denn auf der Insel lassen sich einige besondere Arten beobachten.

Zwischen Nord- und Ostsee

Schaut man sich die Broschüren und Hochglanz-Magazine der Tourist-Informationen hier oben im Norden an, so könnte man meinen, dass es nur die Küsten-Regionen der Nord- und Ostsee geben würde. Das täuscht aber gewaltig.

Schleswig-Holstein wird auch gern als Land zwischen den Meeren bezeichnet. Die Bezeichnung sagt es bereits: es gibt auch ein Dazwischen, in dem es viel zu entdecken gibt.

Klar, die Massen der Besucher konzentrieren sich an den beiden Küsten. Das sollen sie auch gerne, denn umso ruhiger und entspannter geht es im Binnenland zu. 

So ganz entkommt man dem Maritimen im Binnenland aber nicht, denn es gibt überall im Land reichlich Wasser. 

Da ist der Nord-Ostsee-Kanal, der von der Elb-Mündung bei Brunsbüttel bis zur Kieler Förde die Nordsee mit der Ostsee verbindet. Mitten durch unser Land fließt die Eider, mit ehemals 188 Kilometern der längste Fluss Schleswig-Holsteins. Und in der Hügel-Landschaft der östlichen Landesteile gibt es zahlreiche Seen. Sie sind Relikte der letzten Eiszeit.

Dazu gibt es überall im Binnenland sehenswerte Orte, idyllische Landschaften, interessante Museen und historische Stätten zu entdecken.

An der Ostsee

Im nördlichsten Bundesland wohnend, habe ich das Glück, gleich zwei Meere in meiner Nähe zu haben – die Nordsee und die Ostsee. Da sie auch gar nicht so weit voneinander entfernt liegen, sind die beiden Küsten von überall im Land in relativ kurzer Zeit zu erreichen. Die schmalste Stelle liegt zwischen Husum und Schleswig. Hier sind Nord- und Ostsee gerade einmal 35 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. 

Die Schlei ist ein Segler-Paradies.

Die Ostsee ist von ganz anderem Charakter als die Nordsee. Da die Gezeitenunterschiede hier nur sehr gering sind, ist das Wasser immer da, wo es sein sollte. Sie wird allgemein als ruhig und lieblich wahrgenommen – was sie ja auch meistens ist. Aber sie kann auch ganz anders – wie die Sturmflut vom Oktober 2023 bewiesen hat.

Die Küste der Ostsee ist recht abwechslungsreich. Flache Sand- und Kiesstrände wechseln mit Steilküsten, weitläufige Küstenabschnitte mit tief ins Land reichenden Ostsee-Armen. Von Nord nach Süd sind dies die Flensburger Förde, die Schlei, die Eckernförder Bucht, die Kieler Förde und die Lübecker Bucht mit dem Mündungsgebiet der Trave.

Diese teils weit ins Binnenland hinein reichenden Meeresbuchten boten stets sichere Häfen und begünstigten so schon früh die Entwicklung des Seehandels. Hier liegen geschichtsträchtige Handelsorte, wie das wikingische Handelszentrum Haithabu und Lübeck, den Hauptort der mittelalterlichen Hanse.