Autor: Der Reiseleiter

Sterbende Eisriesen

Die gewaltigen Eismassen der Gletscher haben mich bereits als junger Mensch fasziniert, doch irgendwie habe ich es nie geschafft, sie mir auch einmal in der Realität anzuschauen. Aber dann war es endlich soweit und es hieß: „Einmal noch die Gletscher sehen, solange es sie noch gibt“. 

Das mag jetzt vielleicht etwas übertrieben und theatralisch klingen, aber es ist nun mal eine Tatsache, dass die Gletscher unsere Alpen rasant schwinden. 

Einer wie ich, der nun doch schon eine Reihe von Jahren auf den Buckel hat, wird das Ende der Gletscher zwar nicht mehr erleben, aber für die heutigen Kinder und die folgenden Generationen wird das Aus vieler Gletscher zur Realität werden.

Wurden die Gletscher vor 150 Jahren noch als bedrohliche Ungeheuer angesehen, sind sie heute zu dahinsiechenden Riesen geschrumpft. Denn gerade unsere Alpen sind vom Klimawandel besonders stark betroffen, hier machen sich dessen Auswirkungen recht deutlich bemerkbar, die Folgen sind hier sichtbarer als anderswo. 

So haben die Schweizer Gletscher aufgrund des Klimawandels in den zehn Jahren von 2015 bis 2025 ein Viertel ihres Volumens verloren. Prognosen sagen, dass bereits in 30 bis 40 Jahren die meisten Gletscher der Ostalpen verschwunden sind.

Auch für die Deutschen Alpen sehen die Vorhersagen recht schlecht aus. So gab es zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch fünf Gletscher, seit 2022 sind es aber nur noch vier. Denn der Südliche Schneeferner ist so klein geworden, dass er nicht mehr als Gletscher geführt wird. Es wird angenommen, dass es 2050 wohl keine Gletscher mehr in den deutschen Alpen gibt.

An einigen Gletschern der Schweizer Alpen ist das Schwinden der Eismassen deutlich nachvollziehbar. Beispiele dafür sind der Aletsch-Gletscher, der Rhone-Gletscher und der Morteratsch-Gletscher

Markant und auffällig – der Austernfischer 

Mit seinem schwarz-weißen Gefieder und dem langen roten Schnabel ist der Austernfischer leicht zu erkennen. Aufgrund dieses recht markanten Aussehens wird er auch gern als Halligstorch bezeichnet. Er ist das ganze Jahr über an unseren Küsten anzutreffen. Unverkennbar sind auch seine weithin hörbaren trillernden Balzrufe.

Bevorzugt brütet er in Ufernähe, gern in den Salzwiesen und auf den Halligen. Seinen Brutplatz und sein Revier behält er ein Leben lang und verteidigt sie gegen Konkurrenten. Werden die guten Reviere knapp, weicht er hinter die Deiche aus, manchmal auch ins Hinterland. Sogar auf geschotterten Flachdächern brütet er inzwischen. 

Im Schnitt werden Austernfischer etwa 20 Jahre alt, doch es wurden auch schon Exemplare mit einem Alter von über 40 Jahren nachgewiesen.

Obwohl der Charaktervogel der Nordseeküste noch recht häufig ist, werden die rückläufigen Bestandszahlen mit Sorge betrachtet. Der Bestand in Schleswig-Holstein wird derzeit auf 14.000 Brutpaare geschätzt. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele.

Sein Name ist allerdings irreführend, denn Austern stehen nicht auf der Speisekarte des Austernfischers. Deren Schalen sind ihnen nun doch etwas zu hart. Dafür zählen aber Herz- und Miesmuscheln zu seinen Lieblingsspeisen. Auch Würmer, kleine Krebse und Insekten verschmäht er nicht.

So nebenbei:

Die Austernfischer brüten ja gerne auf Wiesen und Weiden. Eigentlich ist das ein richtig schöner und ruhiger Platz – wenn da nur nicht die lieben Nachbarn wären. Denn die nehmen einfach keine Rücksicht auf das Gelege. Da hilft es dann nur, ganz nachdrücklich seine Meinung kundzutun.

Elegante Flugkünstler – die Seeschwalben

An den spitz zulaufenden Flügeln und dem gegabelten Schwanz sind Seeschwalben gut zu erkennen.

Mit ihrem silber-weißen Federkleid werden die Seeschwalben oft mit den Möwen in einen Topf geworfen. Was auch verständlich ist, da ohne Zweifel eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden ist. Aber wenn man etwas genauer hinschaut, sind sie doch recht gut voneinander zu unterscheiden.

So sind Seeschwalben in ihrem Erscheinungsbild schlanker und eleganter als Möwen, wirken nicht so plump. Auch sind sie im Flug gut an ihrem gegabelten Schwanz und ihren spitz zulaufenden Flügeln zu erkennen. 

Es ist immer wieder faszinierend, Seeschwalben beim Jagen zu beobachten, denn sie haben eine besonders markante Jagd-Technik entwickelt. Um kleine Fische zu erbeuten, stehen sie zunächst rüttelnd über dem Wasser in der Luft, um sich dann urplötzlich mit angelegten Flügeln und Kopf voran ins Wasser hineinzustürzen.

An unseren Küsten kommen fünf Arten von Seeschwalben als Brutvögel vor: Am häufigsten sind die Küsten- und die Flussseeschwalbe, seltener sind die Zwergseeschwalbe und die Brandseeschwalbe. Die Lachseeschwalbe ist hingegen in unseren Breiten eine große Rarität geworden. Sie brüten bei uns in Deutschland nur noch mit sehr wenigen Brutpaaren.

Die Küsten- und die Flussseeschwalbe sind sich sehr ähnlich. Sie lassen sich aber gut an ihren Schnäbeln unterscheiden: bei der Küstenseeschwalbe ist er einheitlich dunkelrot, bei der Flussseeschwalbe ist die Schnabelspitze schwarz. 

Im Gegensatz zu den Möwen, die das ganze Jahr über anzutreffen sind, sind die Seeschwalben Zugvögel. Im Frühjahr kommen sie an unsere Küsten, um hier zu brüten. Im Herbst treten sie dann den Rückflug in ihre südlichen Überwinterungsgebieten an.

Die Küstenseeschwalben sind ein Rekordhalter: Sie gelten als der Zugvogel mit der längsten Zugstrecke. Ihr Überwinterungsgebiet liegt in den südlichen Polarregionen. Für die Vögel, die in den nördlichen Polarregionen brüten, bedeutet das für den Hin- und Rückflug eine Zugstrecke von bis zu 30.000 Kilometern.

Beobachtungs-Tipp

Im Allgemeinen brüten Seeschwalben in entlegenen Gebieten, in denen sie nicht vom Menschen gestört werden. Eine Ausnahme bildet die Kolonie am Eider-Sperrwerk. Von Juni bis Mitte Juli lässt sich hier das Brutgeschehen von recht Nahem erleben. 

Die gemischte Brutkolonie von Küstenseeschwalben und Lachmöwen befindet sich auf den Abdämmungen zu beiden Seiten des Sperrwerks. Das Areal ist eingezäunt und darf nicht betreten werden. 

Die Vögel haben sich an die zahlreichen Besucher des Eidersperrwerks gewöhnt, so dass das Brutgeschehen und die Fütterung der Jungvögel ganz aus der Nähe beobachtet werden kann. Doch sollte man auch eine gewisse Vorsicht walten lassen, denn es kann vorkommen, dass Besucher von den Vögeln als zu aufdringlich empfunden werden und sie dann attackieren.

Typisch Nordsee – die Möwen

Die Möwen sind nicht nur die bekanntesten, sie sind auch die häufigsten Vögel unserer Küste. Sie gehören zum Bild der Nordsee einfach dazu. Das ganze Jahr über sind sie überall anzutreffen – in den Schutzgebieten ebenso wie in Ortschaften und auf See. Fragt man jemanden, was für ein Vogel das ist, wird wohl jeder gleich antworten: „Ist doch klar, eine Möwe“. Das ist zwar richtig, aber eine Möwe ist nicht gleich eine Möwe. 

Möwen sind die Charakter-Vögel unserer Küsten.

An unseren Küsten kommen fünf Möwen-Arten recht häufig vor: die Silbermöwe, die Lachmöwe, die Sturmmöwe, die Heringsmöwe und die Mantelmöwe.

Am bekanntesten ist die Silbermöwe, die an ihrem weiß-silbergrauen Gefieder und dem kräftigen Schnabel mit dem roten Fleck gut zu erkennen ist. Mit einer Flügelspannweite von etwa 1,45 Metern gehören sie zu den größeren Möwen-Arten.

Silbermöwen sind mit ihrer Nahrung nicht wählerisch, sie haben ein recht breites Nahrungsspektrum. Und sie verstehen es auch, sich immer wieder neue Nahrungsquellen zu erschließen.

Silbermöwen haben nicht nur keine Scheu vor dem Menschen, sie sind auch ganz schön frech. Zudem sind sie auch recht intelligent und lernen sehr schnell. So haben sie sich in manchen Regionen zu kleinen Banden zusammengeschlossen. Diese lauern dann den arglosen Besuchern am Strand oder auf der Promenade auf, um ihnen im schnellen, überfallartigen Flug das Fischbrötchen oder die Currywurst samt Pommes zu rauben. Selbst Eis ist vor ihnen nicht sicher.

Neben der Silbermöwe sind noch zwei weitere Möwen-Arten recht häufig in und um den Nationalpark anzutreffen: die kleinere Sturmmöwe und die Lachmöwe, die in der Brutzeit gut an ihrem schwarzen Kopf zu erkennen ist.

Nicht ganz so häufig sind die Heringsmöwe und die Mantelmöwe. Wie die Silbermöwe sind auch sie große Möwen, die gut an ihrem kontrastreichen schwarz-weißen Gefieder zu erkennen sind. Zu unterscheiden sind sie durch die Färbung ihrer Beine: bei der Heringsmöwe sind sie gelb, bei der Mantelmöwe rötlich.

Mit einer Spannweite von knapp 1,70 Metern ist die Mantelmöwe die größte unserer heimischen Möwen. Die Heringsmöwe ist mit einer Spannweite von bis zu 1,60 Metern etwas kleiner. 

Noch recht selten anzutreffen ist die Schwarzkopfmöwe, die aus dem Mittelmeergebiet zu uns zugewandert ist. Seit 2010 sind sie in der Brutkolonie am Eider-Sperrwerk zu beobachten. Dort brüten sie auch schon seit einigen Jahren.Die Dreizehenmöwe ist hingegen ein echter Seevogel, der so gut wie nie an der Küste zu sehen ist. Lediglich auf Helgoland gibt es einen Bestand, der in den Klippen der Insel brütet.

Am Nord-Ostsee-Kanal

Große Pötte ganz nah erleben

Als Kind war der Kanal für mich überhaupt nichts Besonders. Er war da und gehörte zur Landschaft einfach dazu. Erst als junger Erwachsener wurde mir dann klar, dass wir etwas Einzigartiges direkt vor der Haustür haben.

Der Nord-Ostsee-Kanal bei der Grünentaler Hochbrücke.

Seit mehr als 125 Jahren durchschneidet der knapp 100 Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal (NOK) Schleswig-Holstein – von der Elbmündung bei Brunsbüttel bis zur Kieler Förde. 

Mit dem Bau des NOK wurde 1887 begonnen. Nach nur acht Jahren Bauzeit fand die feierliche Eröffnung bereits 1895 statt. Als meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt verbindet er seitdem die Handelszentren der Ostsee mit den Häfen der großen weiten Welt.

Auf seinem Weg von der Elbe zur Kieler Förde verläuft der Kanal durch recht unterschiedliche Landschaften. Von Brunsbüttel aus durchquert er zunächst ein Niederungsgebiet, das zum Teil tiefer als der Meeresspiegel liegt. Bei Hochdonn beginnt die Dithmarscher Geest, eine hügelige Landschaft, die während der vorletzten Eiszeit (vor 200.000 bis 125.000 Jahren) geformt wurde. 

Hinter der Grünentaler Hochbrücke ändert sich das Landschaftsbild erneut – es wird wieder flacher. Hier geht die Geest in das Niederungsgebiet der Eider und ihrer Zuflüsse über. Hinter Rendsburg beginnt schließlich das landschaftlich reizvolle östliche Hügelland, das in der letzten Eiszeit entstand, die vor 12.000 Jahren endete. 

Doch der Kanal führt nicht nur durch abwechslungsreiche Landschaften, auch interessante Städte und kleine Ortschaften liegen unmittelbar an seinen Ufern. Auf seiner gesamten Länge sind Zeugen technischer Meisterleistungen der damaligen Ingenieurskunst zu sehen und oft haben scheinbar einfache Dinge und Orte eine interessante Geschichte zu erzählen.

Faszination NOK

Immer noch übt der Kanal eine ganz eigene Faszination aus, der sich wohl keiner entziehen kann. Wo sonst auf der Welt lassen sich Kreuzfahrtschiffe und Frachter auf großer Fahrt von so Nahem beobachten? Wo sonst kann man mit dem Fahrrad neben ihnen herfahren?

Ein Paradies für Vogelbeobachter

Die Vögel sind zweifelsohne die spektakulärste Tiergruppe, die im Nationalpark und in seinen Randbereichen zu beobachten ist. Sie gibt es überall an der gesamten Westküste, manche Arten treten teils in spektakulären Mengen auf. 

Gerade dieser Vogelreichtum ist es, der über das ganze Jahr hinweg zahlreiche Vogelbegeisterte in die Bereiche in und um das Wattenmeer zieht – Besucher von außerhalb ebenso wie Einheimische. Und ich muss gestehen, auch ich gehöre zu den Menschen, die von der Vielfalt der Vogelwelt jedes Mal aufs Neue fasziniert sind.

Vögel kommen zwar überall an der Westküste vor, aber es gibt auch Hotspots, in denen sie besonders zahlreich anzutreffen sind. Hier wurden Hütten oder Aussichts-Plattformen errichtet, von denen aus störungsfrei beobachtet werden kann.

Brutvögel, Durchzügler und Wintergäste

Manche Arten sind das ganze Jahr über anzutreffen, andere kommen aus dem Süden, um in den Sommermonaten bei uns zu brüten, während in den Wintermonaten Gäste aus dem Norden zu beobachten sind. 

Im Frühjahr und Herbst fasziniert der Vogelzug. Dann verwandeln sich das Wattenmeer und die angrenzenden Bereichen zu dem vogelreichsten Gebiet Europas. Bis zu 12 Millionen Vögel nutzen es im Laufe des Jahres. Für die meisten von ihnen ist das Wattenmeer nur eine Zwischenstation, denn ihre Brutplätze liegen weit im Norden, in den arktischen Tundren von Grönland bis Sibirien. Für sie ist das Watt ein üppig gefüllter Tisch, an dem sie sich die dringend benötigten Fettreserven für ihre mehrere Tausend Kilometer weiten Zugstrecken zwischen den Brut- und Überwinterungs-Gebieten anfressen können.

Die Vielfalt der Vogelwelt

Über das ganze Jahr hinweg kann man Vögel beobachten. Das Artenspektrum ist vielfältig und je nach Jahreszeit variiert die Anzahl der Arten und Individuen. Mit etwas Glück sind auch seltene Arten zu sehen.

Allgegenwärtig – überall und zu jeder Jahreszeit – sind die Möwen. Sie sind die typischen Küstenvögel, die weder zu übersehen noch zu überhören sind. Möwen haben sich an den Menschen gewöhnt, sie sind überhaupt nicht scheu. Im Gegenteil, manchmal sind sie sogar recht aufdringlich.

Oft werden Seeschwalben mit Möwen verwechselt. Die eleganten Flugkünstler sind aber nicht das ganze Jahr hier, sondern kommen aus den Süden zu uns, um hier zu brüten.

Enten und Gänse sind auf den Grünland- und Wasserflächen der Köge regelmäßig in großer Zahl anzutreffen.

Auch ist eine Vielzahl unterschiedlicher Watvogel-Arten zu beobachten. Die häufigsten sind die Austernfischer und die Rotschenkel, obwohl selbst bei ihnen die Bestände rückläufig sind. 

An der Küste sind aber nicht nur die typischen Meeresvögel zu beobachten. In den Randbereichen des Nationalparks sind auch Wiesenbrüter anzutreffen, die anderorts aufgrund intensiver Grünland-Nutzung bereits recht selten geworden sind. Dazu gehören der Kiebitz und die Feldlerche, die sich im Frühling vielerorts noch singend in die Lüfte schraubt.

Über die Ankunft eines Zugvogels freue ich mich jedes Jahr aufs Neue – auf die Kampfläufer. Viele Männchen beginnen schon hier bei uns, ihr Prachtkleid anzulegen. Manche fangen sogar schon mit ihren Balz-Ritualen an, die man mit ein wenig Glück beobachten kann. 

Mit etwas Glück ist auch der König der Lüfte zu beobachten – der Seeadler. Es ist schon ein besonderer Anblick, den großen Greifvogel majestätisch durch die Lüfte gleiten zu sehen.

Inseln und Halligen

Zwei besonders verheerende Sturmfluten – die von 1362 und die von 1634 – gaben der Nordfriesischen Küste ihr Gesicht. Die Küstenlinie wurde weit nach Osten verschoben, die Halbinsel Eiderstedt nahm ihre heutige Form an, die Nordfriesischen Inseln und Halligen entstanden.

Der Leuchtturm auf der Insel Amrum.

Fünf Inseln liegen vor der nordfriesischen Küste: Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm und Nordstrand. Sie gehören nicht zum Nationalpark, können also jederzeit besucht werden. Wie es sich für Inseln gehört, können Amrum, Föhr und Pellworm nur mit Fähren erreicht werden. Sylt ist durch einen Eisenbahn-Damm, Nordstrand durch einen Straßen-Damm mit dem Festland verbunden.

Vor der Küste Dithmarschens liegt die Insel Trischen. Sie gehört zur Kernzone des Nationalparks und darf daher nicht betreten werden.

„Schwimmende Träume“ nannte Theodor Storm einst die Halligen, denen er mit seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ ein literarisches Denkmal setzte.

Die zehn Halligen sind kleine, nicht eingedeichte Marsch-Eilande, die wie ein Ring die Insel Pellworm umgeben. Mehrmals im Jahr werden die Halligen während Sturmfluten überflutet, lediglich die Warften mit ihren Häusern ragen dann wie kleine Inseln aus dem Meer.

Auf fünf der Halligen – Hooge, Langeneß, Oland, Gröde und Nordstrandischmoor – sind die Ländereien in Privatbesitz. Diese können jederzeit besucht werden, auch gibt es dort Unterkünfte, um dort den Urlaub zu verbringen. 

Norderoog befindet sich im Besitz des Naturschutzvereins Jordsand, die Hamburger Hallig, Habel, Südfall und Süderoog sind Eigentum des Landes Schleswig-Holstein. Für diese fünf Halligen gelten gesonderte Besuchs-Regelungen.

Roter Sandstein prägt das Gesicht der Insel Helgoland.

Wenn wir von den Inseln reden, darf natürlich Helgoland nicht vergessen werden. Die Rote Insel ist aber ein Sonderfall, denn sie liegt – anders als die anderen Inseln – weitab von der Küste, außerhalb des Wattenmeeres. Helgoland ist in vielerlei Hinsicht ein lohnendes Reiseziel. Auch der Naturfreund wird auf der Insel auf seine Kosten kommen, denn auf der Insel lassen sich einige besondere Arten beobachten.

Zwischen Nord- und Ostsee

Schaut man sich die Broschüren und Hochglanz-Magazine der Tourist-Informationen hier oben im Norden an, so könnte man meinen, dass es nur die Küsten-Regionen der Nord- und Ostsee geben würde. Das täuscht aber gewaltig.

Schleswig-Holstein wird auch gern als Land zwischen den Meeren bezeichnet. Die Bezeichnung sagt es bereits: es gibt auch ein Dazwischen, in dem es viel zu entdecken gibt.

Klar, die Massen der Besucher konzentrieren sich an den beiden Küsten. Das sollen sie auch gerne, denn umso ruhiger und entspannter geht es im Binnenland zu. 

So ganz entkommt man dem Maritimen im Binnenland aber nicht, denn es gibt überall im Land reichlich Wasser. 

Da ist der Nord-Ostsee-Kanal, der von der Elb-Mündung bei Brunsbüttel bis zur Kieler Förde die Nordsee mit der Ostsee verbindet. Mitten durch unser Land fließt die Eider, mit ehemals 188 Kilometern der längste Fluss Schleswig-Holsteins. Und in der Hügel-Landschaft der östlichen Landesteile gibt es zahlreiche Seen. Sie sind Relikte der letzten Eiszeit.

Dazu gibt es überall im Binnenland sehenswerte Orte, idyllische Landschaften, interessante Museen und historische Stätten zu entdecken.

An der Ostsee

Im nördlichsten Bundesland wohnend, habe ich das Glück, gleich zwei Meere in meiner Nähe zu haben – die Nordsee und die Ostsee. Da sie auch gar nicht so weit voneinander entfernt liegen, sind die beiden Küsten von überall im Land in relativ kurzer Zeit zu erreichen. Die schmalste Stelle liegt zwischen Husum und Schleswig. Hier sind Nord- und Ostsee gerade einmal 35 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. 

Die Schlei ist ein Segler-Paradies.

Die Ostsee ist von ganz anderem Charakter als die Nordsee. Da die Gezeitenunterschiede hier nur sehr gering sind, ist das Wasser immer da, wo es sein sollte. Sie wird allgemein als ruhig und lieblich wahrgenommen – was sie ja auch meistens ist. Aber sie kann auch ganz anders – wie die Sturmflut vom Oktober 2023 bewiesen hat.

Die Küste der Ostsee ist recht abwechslungsreich. Flache Sand- und Kiesstrände wechseln mit Steilküsten, weitläufige Küstenabschnitte mit tief ins Land reichenden Ostsee-Armen. Von Nord nach Süd sind dies die Flensburger Förde, die Schlei, die Eckernförder Bucht, die Kieler Förde und die Lübecker Bucht mit dem Mündungsgebiet der Trave.

Diese teils weit ins Binnenland hinein reichenden Meeresbuchten boten stets sichere Häfen und begünstigten so schon früh die Entwicklung des Seehandels. Hier liegen geschichtsträchtige Handelsorte, wie das wikingische Handelszentrum Haithabu und Lübeck, den Hauptort der mittelalterlichen Hanse.

Ribe – Auf den Spuren der Wikinger

Um es gleich vorwegzusagen, in Bezug auf Ribe bin ich etwas voreingenommen. Denn für mich ist Ribe eine der schönsten und interessantesten Städte von ganz Süd-Jütland.


Der mittelalterliche Stadtkern mit seinen schmalen, kopfsteingepflasterten Straßen, den alten Fachwerkhäusern und den idyllischen Innenhöfen verleihen Ribe ein ganz besonderes Flair. Zahlreiche Fachwerkhäuser stammen aus dem 16.Jahrhundert, die ältesten sogar aus dem späten 15. Jahrhundert.
So ist es nicht verwunderlich, dass an jeder Ecke die Ruhe und die Gelassenheit einer gewachsenen Stadt mit einer mehr als tausendjährige Geschichte zu spüren ist.
Heute ist Ribe zwar eine beschauliche Stadt, doch das war nicht immer so. Über das gesamte Mittelalter hinweg, noch bis in die frühe Neuzeit, war Ribe der wichtigste dänische Nordsee-Hafen.


Ribe ist die älteste Stadt Dänemarks, wahrscheinlich sogar die älteste von ganz Skandinavien. Gleich zu Beginn des 8. Jahrhunderts wurde sie von Wikingern gegründet, die hier an der Ribe Å (Ribe-Au) einen sicheren Hafen fanden und einen Handelsort mit Marktplatz errichteten.
Durch archäologische Grabungen gesichert ist der Marktplatz, der sich einst zu beiden Seiten der Sct Nicolaj Gade befand. Wie die Befunde zeigten, wurde die Ansiedlung bereits um 725 planmäßig angelegt, mit Parzellen und gerader Wegeführung. Der Verlauf der Straße entspricht immer noch der damaligen Wegeführung. Wenn man die Straße entlang geht, ist es schon ein besonderes Gefühl, wenn man sich bewusst macht, dass wikingische Händler bereits vor 1.300 Jahren genau hier entlanggingen, um ihre Geschäfte zu machen.
Die genaue Lage des Hafens konnte hingegen noch nicht festgestellt werden. Mit Sicherheit befand er sich auch auf der nördlichen Seite der Ribe Å, wohl in dem Areal hinter dem Wikinger-Museum, zwischen der Au und der Sct Nicolaj Gade.

Hier an der Ribe Å wird der Hafen der Wikinger vermutet.


Um 860 herum wurde eine erste Kirche errichtet, wohl eine Gründung des Bischofs Ansgar von Bremen. Nach der Kirche von Haithabu, war es die zweite Kirche im Reich der Wikinger.
Da wohl nicht jedem die neue Religion ganz geheuer war, wurde sie sicherheitshalber auf der anderen Seite der Ribe Å, errichtet. Es war wohl eine Holzkirche, die nach und nach umgebaut und erweitert wurde, bis sie das wurde, was sie heute ist – der Dom zu Ribe, das Wahrzeichen und die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt.


Einen guten Eindruck, wie es damals zur Zeit der Wikinger in Ribe ausgesehen hat, vermittelt das etwas außerhalb des Stadtkerns gelegene Ribe VikingeCenter.
Sehenswert ist auch das Wikinger-Museum. Zu den bedeutendsten Exponaten zählt ein Silberbecher, von dem angenommen wird, dass er von einem Raubzug aus dem Fränkischen Reich stammt.
Von der großen Bedeutung der Stadt zeugen auch die Überreste des Riberhus, dem einstigen Schloss der Stadt. Im 12. Jahrhundert wurde es nordwestlich der Stadt errichtet und diente etwa zwei Jahrhunderte lang als zeitweise Residenz der dänischen Könige. Im 17. Jahrhundert wurde es während des Dreißigjährigen Krieges vollständig zerstört.
Der Wassergraben, der Schlosshügel, ein paar Steine – mehr ist von dem einstigen Riber Schloss heute nicht mehr zu sehen.

Die Überreste des einstigen Riber Schlosses vor der Silhouette der Stadt.