Autor: Der Reiseleiter

Die Schweiz – Im Land der Viertausender

Nach einem bekannten Spruch sollen Gegensätze sich ja anziehen. Das kann ich nur bestätigen. Denn es zieht mich – obwohl ich ein typischer Küsten-Flachländer bin – auch immer wieder in ganz andere Regionen dieser Welt.

Gletscher-See vor Bergpanorama.

Und was ist nun der große Gegensatz zu Meer und Küste? Eben – die Berge. Und wenn schon Berge, dann will ich die wirklich hohen Berge sehen. Daher ist Schweiz mit ihren zahlreichen Viertausendern für mich das bevorzugte Hochgebirgs-Reiseziel. Immerhin sind 48 Gipfel der Schweiz über 4.000 Meter hoch – 41 davon liegen im Kanton Wallis. 

Für diese besondere Anziehungskraft gibt es gleich mehrere Gründe.

Da ich schon immer gerne zu Fuß unterwegs bin, bieten die Alpen beste Gelegenheiten zum Wandern. Dieses stetige Bergauf und Bergab ist doch etwas Anderes, als sich nur immer im flachen Land zu bewegen. Dazu ist es doch etwas ganz Besonderes, die Welt von oben zu betrachten und die fantastischen Ausblicke zu genießen.

Schon als junger Mensch habe ich mich für die Natur interessiert, ganz besonders für Pflanzen. Auch auf diesem Gebiet haben die Alpen für mich viel Neues zu bieten, das sich zu entdecken lohnt – die Alpen-Flora, die sich ganz gravierend von der Pflanzenwelt des Flachlandes unterscheidet.

Und dann sind da noch die Gletscher, die mich einfach faszinieren. Diese eisigen Welten, die einst gefürchtet waren, jetzt durch die Klima-Erwärmung stark bedroht sind. Ich musste die großen Gletscher einfach mal sehen – solange es sie noch gibt.

Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher der Alpen.

Der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr

Ein Leuchtturm auf Wanderschaft …

Einmal musste ich ihn noch an seinem exponierten Standort sehen: den Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr. Denn für das Wahrzeichen Nordjütlands sind die Tage an diesem außergewöhnlichen Ort gezählt.

Etwas surreal wirkt die ganze Szenerie ja schon. Da steht der 23 Meter hohe Leuchtturm mitten in einer großen Wanderdüne – gerade so, als würde er Schiffen in einer Wüste den Weg weisen wollen. Doch damit nicht genug: Er befindet sich auch noch direkt an der Abbruchkante eines 60 Meter hohen Steilufers.

Der Leuchtturm stand nicht immer an einer derart extremen Stelle. Als 1899 mit dem Bau begonnen wurde, war der Rubjerg Knude als Standort eine sehr gute Wahl. Mit einer Höhe von 60 Metern war er der höchste Punkt an der 13 Kilometer langen Steilküste. Doch im Gegensatz zu heute, lag diese damals gut 200 Meter weiter draußen. Im Dezember 1900 wurde er in Betrieb genommen.
Doch schon um 1910 herum begann ein Natur-Phänomen, dem Leuchtturm zuzusetzen. Der Wind blies stetig Unmengen an Sand die Steilküste hinauf, so dass sich oben – auf 60 Meter Höhe – eine Wanderdüne bildete. Dieses wurde höher und höher, und wanderte immer weiter ins Landesinnere hinein. Es wurde versucht, dem Sand mit in die Düne gesteckten Kieferzweigen Einhalt zu gebieten. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Düne wanderte zwar nicht weiter, sie wurde dafür aber so hoch, dass der Leuchtturm nicht mehr von See aus zu sehen war. Daraufhin wurde der Betrieb am 1. August 1968 eingestellt.

  • Rubjerg Knude Fyr (1)

Alle Maßnahmen, die Düne aufzuhalten, scheiterten. So wurde zu Beginn der 1990er Jahre beschlossen, der Natur ihren Lauf zu lassen. Dafür avancierte der Leuchtturm aufgrund seiner spektakulären Lage zu einem beliebten Ausflugsziel – sowohl für Einheimische als auch für Touristen.

Doch nicht nur die Düne setzte dem Leuchtturm zu. Auch das Meer nagte an der Steilküste. Während der Wind die Düne jedes Jahr etwa 20 Meter landeinwärts treibt, trägt das Meer jährlich etwa zwei Meter von der Steilküste ab. Berechnungen ergaben, dass der Leuchtturm im Jahr 2020 ins Meer stürzen würde.

Im Herbst 2018 wurde beschlossen, den Rudbjerg Knude Fyr zu retten und als Ganzes etwa 80 Meter weiter ins Landesinnere zu versetzen. Am 14. August 2019 wurde der Bereich um den Leuchtturm abgesperrt. Die Vorarbeiten werden etwa zehn Wochen dauern, das Versetzen selbst wird dann relativ schnell innerhalb eines Tages vonstatten gehen. Wenn alles nach Plan läuft, wird der Leuchtturm Anfang November 2019 wieder für Besucher freigegeben.

Nachtrag: Ein glückliches Ende
Es ist geschafft: Nach gut zweimonatiger Vorbereitungszeit steht der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr seit dem 22. Oktober 2019 auf seinem neuen Platz.
Der Umzug begann um 9.00 Uhr morgens mit dem Anheben des Turms um einige Zentimeter. Dies war ein recht kritischer Moment, denn es war nicht klar, wie der Untergrund so dicht an der Abbruchkante reagieren würde. Aber dann lief alles wie geschmiert.
Unter den Augen von Tausenden Zuschauern und den Linsen zahlreicher Kameras wurde der 700 Tonnen schwere Leuchtturm mit zwölf Meter pro Stunde auf seinen neuen Platz verschoben. Bereits um 14.38 Uhr erreichte er seine neue Position – 70 Meter von seinem bisherigen Standort an der Abbruchkante entfernt.
Verantwortlich für den Umzug war der Maurermeister Kjeld Pedersen aus dem nahegelegenen Lønstrup. Die Wiedereröffnung des Leuchtturms wurde am 16. November 2019 mit einem großen Fest gefeiert.

Wo Nord- und Ostsee sich treffen

Als Schleswig-Holsteiner weiß man den Luxus zu schätzen: Innerhalb relativ kurzer Zeit kann man sowohl die Nordsee, als auch die Ostsee erreichen. Da bleibt es nicht aus, auch einmal den Ort an der Nordspitze Jütlands zu besuchen, wo sich – je nach Definition – Nordsee und Ostsee beziehungsweise die Meeresarme Skagerrak und Kattegat treffen.

  • Skagen - Grenen

Es ist die Landzunge Grenen, nordöstlich von Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks. Vom Zentrum Skagens sind es etwa drei Kilometer bis zum Parkplatz Grenen. Der Platz ist zwar immer recht gut besetzt, doch meist ist es kein Problem, einen freien Stellplatz zu finden. An einem Automaten wird der benötigte Parkschein gelöst. Mit Bargeld läuft da allerdings nichts, der Automat akzeptiert nur Kreditkarten. Auch das Auschecken erfolgt wiederum mit der Kreditkarte. Danach wird die Parkgebühr zeitgenau abgerechnet und abgebucht.
Vom Parkplatz aus sind es noch etwa 1,3 Kilometer Fußweg bis zur Spitze der Landzunge. Der Weg führt durch die Dünen, an Drachmanns Grab (einer der bedeutenden Skagen-Maler) und an Bunkerresten vorbei zum Strand, von dort aus weiter zur Nordost-Spitze. Die Menschenansammlung zeigt bereits das Ziel, sie alle wollen einmal am nördlichen Ende von Dänemark stehen, einmal mit einem Bein in der Nordsee und mit einem Bein in der Ostsee zu stehen und das obligatorische Foto machen. Aufgrund der schwierigen Strömungsverhältnisse ist das Baden hier allerdings verboten.
Das Faszinierende ist, dass genau zu sehen ist, wo sich Skagerrak und Kattegat treffen: von beiden Seiten laufen die Wellen aus unterschiedlichen Richtungen an und treffen sich genau an der Spitze des Grenen.
Da Skagerrak und Kattegat viel befahrene Gewässer sind, ist Grenen ebenfalls ein guter Ort um Schiffe zu beobachten – darunter auch Kreuzfahrtschiffe und die großen Fähren. Zudem liegen vor Skagen meist eine Anzahl von Schiffen auf Reede, die auf neue Aufträge warten.
Auch für Naturbeobachtungen ist die Nordspitze Jütlands bestens geeignet. Im Wasser sind Kegelrobben zu beobachten, über dem Wasser Seevögel. Darunter auch Basstölpel, die im Sturzflug nach Nahrung fischen. Im Mai/Juni ist das Gebiet zudem einer der besten Orte, um den Vogelzug zu beobachten.

Ein Nationalpark vor der Haustür

Mancher wird sich fragen, warum mich das Wattenmeer so fasziniert, warum es – obwohl ich hier an der Westküste Schleswig-Holsteins geboren und aufgewachsen bin – für mich immer ein ganz besonderer Ort war und ist.

  • Der Leuchtturm Westerheversand ist das Wahrzeichen der Westküste Schleswig-Holsteins.


Neben der beeindruckenden Landschaft, sind es allem die magischen Momente, denen ich mich nicht entziehen kann. Zum Beispiel, wenn ich ins Watt gehe und ich es mir bewusst mache, dass ich dort laufe, wo vor ein paar Stunden noch Meeresboden war. Oder wenn ich zwei Mal im Jahr das Phänomen des jährlichen Vogelzuges erleben darf.
Der unmittelbar vor unserer Küste liegenden Nationalpark ist ein kostbarer und unersetzlicher Schatz der Natur – das kann ich ohne zu übertreiben behauten. Er ist ein äußerst wertvoller Lebensraum voller schützenswerter, zum Teil sehr seltener Tier- und Pflanzenarten – und das sowohl in der Luft und im Wasser, als auch auf und unter der Erde.
Das Wattenmeer ist eine Landschaft, die weder dem Meer noch dem Land zuzuordnen ist. Es ist Meeresboden, der im Wechsel der Gezeiten mal von Wasser bedeckt, dann trockengefallen der Luft und Sonne preisgegeben ist. Es ist ein extremer Lebensraum, der von Pflanzen und Tieren eine hohe Anpassung erfordert.
Aufgrund dieser Einzigartigkeit wurde der schleswig-holsteinische Teil des Wattenmeeres im Oktober 1985 zum Nationalpark erklärt, den höchsten Schutzstatus, den die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat.
Wen es interessiert: Hier sind noch ein paar Daten und Fakten zum Nationalpark.

Das Wattenmeer
Viele werden sich die Frage stellen, wieso man beim Wattenmeer überhaupt von einer Landschaft sprechen kann. Denn den meisten Besuchern wird das Wattenmeer auf den ersten Blick recht eintönig erscheinen: Mal ist Wasser da, mal nicht. Und wenn das Wasser nicht da ist, sind nur graubraune Wattflächen zu sehen.
Es ist richtig, oberflächlich betrachtet gehört das Wattenmeer nicht gerade zu den gängigen Postkartenschönheiten. Doch man sollte bereit sein, einen zweiten, tieferen Blick zu riskieren, denn das Wattenmeer hat seinen ganz eigenen Charakter. Man muss sich nur auf diese spektakuläre Landschaft einlassen. Wer dazu bereit ist, dem kommt sie entgegen – und dann wird man ihr verfallen.
Die Landschaft gibt sich herb, rau und auch mal etwas distanziert. Vor allem aber ist das Wattenmeer eine dynamische Landschaft, stetig in Bewegung. Beständig ist nur der Wandel.
Am augenfälligsten sind die Veränderungen im Wechsel der Gezeiten. Zwei Mal täglich werden weite Gebiete überflutet und fallen dann wieder trocken. Andere Wechsel vollziehen sich langsamer: Wind und Wellen tragen Sand ab, Strömungen lagern sie an anderer Stelle wieder ab. So zeigen sich langfristig gesehen, auch an den Küstenlinien langsame, aber stetige Veränderungen. Zudem trägt auch der Mensch seit Jahrhunderten mit immer neuen Eindeichungen zur Veränderung der Küsten bei.
Aber der Nationalpark besteht nicht nur aus Wasser und Wattflächen – zum Nationalpark und seinem Umfeld gehören auch blühende Salzwiesen, endlos anmutenden Sände und reizvolle Dünenlandschaften. All diese gilt es zu entdecken.

Den Nationalpark erleben
Wie in jedem Nationalpark dieser Welt, möchte auch der Besucher des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer die Tier- und Pflanzenwelt entdecken und erleben.
Aufgrund des strengen Schutzes sind weite Teile des Nationalparks nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Hier hat der Schutz der Natur, der Pflanzen und der Tiere absoluten Vorrang vor Freizeitaktivitäten und anderen konkurrierenden Nutzungen.
In anderen Gebieten sind hingegen störungsfreie Einblicke in diesen sensiblen Lebensraum erlaubt. Hier sind Erlebnisse im Nationalpark möglich. Je nach Gusto gibt es mehrere Möglichkeiten, die einzigartige Landschaft zu entdecken: zu Fuß, mit dem Schiff – und sogar auf einer Kutschfahrt.
Wer die Tierwelt des Nationalparks erleben will, braucht aber nicht direkt die Schutzzonen aufzusuchen, denn auch in den Randbereichen des Nationalparks – auf den Inseln und Halligen sowie hinter den Deichen – kann man überall die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Wattenmeeres beobachten. Ein besonderes Highlight sind die Vögel, die überall im Nationalpark und in seinen Randbereichen beobachtet werden können.
Begleitend zu eigenen Beobachtungen werden auch Veranstaltungen angeboten, in denen Fachleute viel Wissenswertes über bestimmte Aspekte des Nationalparks vermittelt wird.
Wer in die Materie rund um den Nationalpark einsteigen möchte, dem empfehle ich als erstes den Besuch des Nationalparkzentrums Multimar Wattforum in Tönning.
www.nationalpark-wattenmeer.de