Mit seinem schwarz-weißen Gefieder und dem langen roten Schnabel ist der Austernfischer leicht zu erkennen. Aufgrund dieses recht markanten Aussehens wird er auch gern als Halligstorch bezeichnet. Er ist das ganze Jahr über an unseren Küsten anzutreffen. Unverkennbar sind auch seine weithin hörbaren trillernden Balzrufe.
Bevorzugt brütet er in Ufernähe, gern in den Salzwiesen und auf den Halligen. Seinen Brutplatz und sein Revier behält er ein Leben lang und verteidigt sie gegen Konkurrenten. Werden die guten Reviere knapp, weicht er hinter die Deiche aus, manchmal auch ins Hinterland. Sogar auf geschotterten Flachdächern brütet er inzwischen.
Durch sein markantes Aussehen ist der Austernfischer nicht zu verwechseln.Mit dem kräftigen Schnabel wird nach Nahrung gestochert.
Im Schnitt werden Austernfischer etwa 20 Jahre alt, doch es wurden auch schon Exemplare mit einem Alter von über 40 Jahren nachgewiesen.
Obwohl der Charaktervogel der Nordseeküste noch recht häufig ist, werden die rückläufigen Bestandszahlen mit Sorge betrachtet. Der Bestand in Schleswig-Holstein wird derzeit auf 14.000 Brutpaare geschätzt. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele.
Auffällig ist der Balztanz der Austernfischer.Die Jungen sind Nestflüchter. Bereits kurz nach dem Schlupf werden sie von den Eltern vom Nest weggeführt.
Sein Name ist allerdings irreführend, denn Austern stehen nicht auf der Speisekarte des Austernfischers. Deren Schalen sind ihnen nun doch etwas zu hart. Dafür zählen aber Herz- und Miesmuscheln zu seinen Lieblingsspeisen. Auch Würmer, kleine Krebse und Insekten verschmäht er nicht.
So nebenbei:
Die Austernfischer brüten ja gerne auf Wiesen und Weiden. Eigentlich ist das ein richtig schöner und ruhiger Platz – wenn da nur nicht die lieben Nachbarn wären. Denn die nehmen einfach keine Rücksicht auf das Gelege. Da hilft es dann nur, ganz nachdrücklich seine Meinung kundzutun.
An den spitz zulaufenden Flügeln und dem gegabelten Schwanz sind Seeschwalben gut zu erkennen.
Mit ihrem silber-weißen Federkleid werden die Seeschwalben oft mit den Möwen in einen Topf geworfen. Was auch verständlich ist, da ohne Zweifel eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden ist. Aber wenn man etwas genauer hinschaut, sind sie doch recht gut voneinander zu unterscheiden.
So sind Seeschwalben in ihrem Erscheinungsbild schlanker und eleganter als Möwen, wirken nicht so plump. Auch sind sie im Flug gut an ihrem gegabelten Schwanz und ihren spitz zulaufenden Flügeln zu erkennen.
Es ist immer wieder faszinierend, Seeschwalben beim Jagen zu beobachten, denn sie haben eine besonders markante Jagd-Technik entwickelt. Um kleine Fische zu erbeuten, stehen sie zunächst rüttelnd über dem Wasser in der Luft, um sich dann urplötzlich mit angelegten Flügeln und Kopf voran ins Wasser hineinzustürzen.
An unseren Küsten kommen fünf Arten von Seeschwalben als Brutvögel vor: Am häufigsten sind die Küsten- und die Flussseeschwalbe, seltener sind die Zwergseeschwalbe und die Brandseeschwalbe. Die Lachseeschwalbe ist hingegen in unseren Breiten eine große Rarität geworden. Sie brüten bei uns in Deutschland nur noch mit sehr wenigen Brutpaaren.
Die Lachseeschwalbe ist eine Rarität an unseren KüstenZwergseeschwalbe
Die Küsten- und die Flussseeschwalbe sind sich sehr ähnlich. Sie lassen sich aber gut an ihren Schnäbeln unterscheiden: bei der Küstenseeschwalbe ist er einheitlich dunkelrot, bei der Flussseeschwalbe ist die Schnabelspitze schwarz.
Küstenseeschwalben haben einen einheitlich roten SchnabelFlussseeschwalben haben eine schwarze Schnabelspitze
Im Gegensatz zu den Möwen, die das ganze Jahr über anzutreffen sind, sind die Seeschwalben Zugvögel. Im Frühjahr kommen sie an unsere Küsten, um hier zu brüten. Im Herbst treten sie dann den Rückflug in ihre südlichen Überwinterungsgebieten an.
Die Küstenseeschwalben sind ein Rekordhalter: Sie gelten als der Zugvogel mit der längsten Zugstrecke. Ihr Überwinterungsgebiet liegt in den südlichen Polarregionen. Für die Vögel, die in den nördlichen Polarregionen brüten, bedeutet das für den Hin- und Rückflug eine Zugstrecke von bis zu 30.000 Kilometern.
Beobachtungs-Tipp
Im Allgemeinen brüten Seeschwalben in entlegenen Gebieten, in denen sie nicht vom Menschen gestört werden. Eine Ausnahme bildet die Kolonie am Eider-Sperrwerk. Von Juni bis Mitte Juli lässt sich hier das Brutgeschehen von recht Nahem erleben.
Die gemischte Brutkolonie von Küstenseeschwalben und Lachmöwen befindet sich auf den Abdämmungen zu beiden Seiten des Sperrwerks. Das Areal ist eingezäunt und darf nicht betreten werden.
Die Vögel haben sich an die zahlreichen Besucher des Eidersperrwerks gewöhnt, so dass das Brutgeschehen und die Fütterung der Jungvögel ganz aus der Nähe beobachtet werden kann. Doch sollte man auch eine gewisse Vorsicht walten lassen, denn es kann vorkommen, dass Besucher von den Vögeln als zu aufdringlich empfunden werden und sie dann attackieren.
Brutkolonie am Eider-SperrwerkJunge KüstenseeschwalbeDer Nachwuchs wird gefüttert
Die Möwen sind nicht nur die bekanntesten, sie sind auch die häufigsten Vögel unserer Küste. Sie gehören zum Bild der Nordsee einfach dazu. Das ganze Jahr über sind sie überall anzutreffen – in den Schutzgebieten ebenso wie in Ortschaften und auf See. Fragt man jemanden, was für ein Vogel das ist, wird wohl jeder gleich antworten: „Ist doch klar, eine Möwe“. Das ist zwar richtig, aber eine Möwe ist nicht gleich eine Möwe.
Möwen sind die Charakter-Vögel unserer Küsten.
An unseren Küsten kommen fünf Möwen-Arten recht häufig vor: die Silbermöwe, die Lachmöwe, die Sturmmöwe, die Heringsmöwe und die Mantelmöwe.
Am bekanntesten ist die Silbermöwe, die an ihrem weiß-silbergrauen Gefieder und dem kräftigen Schnabel mit dem roten Fleck gut zu erkennen ist. Mit einer Flügelspannweite von etwa 1,45 Metern gehören sie zu den größeren Möwen-Arten.
Silbermöwen sind mit ihrer Nahrung nicht wählerisch, sie haben ein recht breites Nahrungsspektrum. Und sie verstehen es auch, sich immer wieder neue Nahrungsquellen zu erschließen.
Silbermöwen haben nicht nur keine Scheu vor dem Menschen, sie sind auch ganz schön frech. Zudem sind sie auch recht intelligent und lernen sehr schnell. So haben sie sich in manchen Regionen zu kleinen Banden zusammengeschlossen. Diese lauern dann den arglosen Besuchern am Strand oder auf der Promenade auf, um ihnen im schnellen, überfallartigen Flug das Fischbrötchen oder die Currywurst samt Pommes zu rauben. Selbst Eis ist vor ihnen nicht sicher.
Die Silbermöwe ist gut an ihrem kräftigen Schnabel mit dem roten Fleck zu erkennen.Die junge Silbermöwe scheint sich über die merkwürdige Begegnung zu wundern.
Neben der Silbermöwe sind noch zwei weitere Möwen-Arten recht häufig in und um den Nationalpark anzutreffen: die kleinere Sturmmöwe und die Lachmöwe, die in der Brutzeit gut an ihrem schwarzen Kopf zu erkennen ist.
SturmmöweLachmöwe
Nicht ganz so häufig sind die Heringsmöwe und die Mantelmöwe. Wie die Silbermöwe sind auch sie große Möwen, die gut an ihrem kontrastreichen schwarz-weißen Gefieder zu erkennen sind. Zu unterscheiden sind sie durch die Färbung ihrer Beine: bei der Heringsmöwe sind sie gelb, bei der Mantelmöwe rötlich.
Mit einer Spannweite von knapp 1,70 Metern ist die Mantelmöwe die größte unserer heimischen Möwen. Die Heringsmöwe ist mit einer Spannweite von bis zu 1,60 Metern etwas kleiner.
HeringsmöweBrütende Mantelmöwen auf Sylt.
Noch recht selten anzutreffen ist die Schwarzkopfmöwe, die aus dem Mittelmeergebiet zu uns zugewandert ist. Seit 2010 sind sie in der Brutkolonie am Eider-Sperrwerk zu beobachten. Dort brüten sie auch schon seit einigen Jahren.Die Dreizehenmöwe ist hingegen ein echter Seevogel, der so gut wie nie an der Küste zu sehen ist. Lediglich auf Helgoland gibt es einen Bestand, der in den Klippen der Insel brütet.
Die Vögel sind zweifelsohne die spektakulärste Tiergruppe, die im Nationalpark und in seinen Randbereichen zu beobachten ist. Sie gibt es überall an der gesamten Westküste, manche Arten treten teils in spektakulären Mengen auf.
Gerade dieser Vogelreichtum ist es, der über das ganze Jahr hinweg zahlreiche Vogelbegeisterte in die Bereiche in und um das Wattenmeer zieht – Besucher von außerhalb ebenso wie Einheimische. Und ich muss gestehen, auch ich gehöre zu den Menschen, die von der Vielfalt der Vogelwelt jedes Mal aufs Neue fasziniert sind.
Vögel kommen zwar überall an der Westküste vor, aber es gibt auch Hotspots, in denen sie besonders zahlreich anzutreffen sind. Hier wurden Hütten oder Aussichts-Plattformen errichtet, von denen aus störungsfrei beobachtet werden kann.
Brutvögel, Durchzügler und Wintergäste
Manche Arten sind das ganze Jahr über anzutreffen, andere kommen aus dem Süden, um in den Sommermonaten bei uns zu brüten, während in den Wintermonaten Gäste aus dem Norden zu beobachten sind.
Im Frühjahr und Herbst fasziniert der Vogelzug. Dann verwandeln sich das Wattenmeer und die angrenzenden Bereichen zu dem vogelreichsten Gebiet Europas. Bis zu 12 Millionen Vögel nutzen es im Laufe des Jahres. Für die meisten von ihnen ist das Wattenmeer nur eine Zwischenstation, denn ihre Brutplätze liegen weit im Norden, in den arktischen Tundren von Grönland bis Sibirien. Für sie ist das Watt ein üppig gefüllter Tisch, an dem sie sich die dringend benötigten Fettreserven für ihre mehrere Tausend Kilometer weiten Zugstrecken zwischen den Brut- und Überwinterungs-Gebieten anfressen können.
Die Vielfalt der Vogelwelt
Über das ganze Jahr hinweg kann man Vögel beobachten. Das Artenspektrum ist vielfältig und je nach Jahreszeit variiert die Anzahl der Arten und Individuen. Mit etwas Glück sind auch seltene Arten zu sehen.
Allgegenwärtig – überall und zu jeder Jahreszeit – sind die Möwen. Sie sind die typischen Küstenvögel, die weder zu übersehen noch zu überhören sind. Möwen haben sich an den Menschen gewöhnt, sie sind überhaupt nicht scheu. Im Gegenteil, manchmal sind sie sogar recht aufdringlich.
LachmöweSilbermöwe
Oft werden Seeschwalben mit Möwen verwechselt. Die eleganten Flugkünstler sind aber nicht das ganze Jahr hier, sondern kommen aus den Süden zu uns, um hier zu brüten.
Enten und Gänse sind auf den Grünland- und Wasserflächen der Köge regelmäßig in großer Zahl anzutreffen.
Auch ist eine Vielzahl unterschiedlicher Watvogel-Arten zu beobachten. Die häufigsten sind die Austernfischer und die Rotschenkel, obwohl selbst bei ihnen die Bestände rückläufig sind.
AusternfischerRotschenkel
An der Küste sind aber nicht nur die typischen Meeresvögel zu beobachten. In den Randbereichen des Nationalparks sind auch Wiesenbrüter anzutreffen, die anderorts aufgrund intensiver Grünland-Nutzung bereits recht selten geworden sind. Dazu gehören der Kiebitz und die Feldlerche, die sich im Frühling vielerorts noch singend in die Lüfte schraubt.
KiebitzFeldlerche
Über die Ankunft eines Zugvogels freue ich mich jedes Jahr aufs Neue – auf die Kampfläufer. Viele Männchen beginnen schon hier bei uns, ihr Prachtkleid anzulegen. Manche fangen sogar schon mit ihren Balz-Ritualen an, die man mit ein wenig Glück beobachten kann.
Mit etwas Glück ist auch der König der Lüfte zu beobachten – der Seeadler. Es ist schon ein besonderer Anblick, den großen Greifvogel majestätisch durch die Lüfte gleiten zu sehen.
Zwei besonders verheerende Sturmfluten – die von 1362 und die von 1634 – gaben der Nordfriesischen Küste ihr Gesicht. Die Küstenlinie wurde weit nach Osten verschoben, die Halbinsel Eiderstedt nahm ihre heutige Form an, die Nordfriesischen Inseln und Halligen entstanden.
Der Leuchtturm auf der Insel Amrum.
Die Kirche von Süderende auf Föhr.Süderhafen auf Nordstrand.
Fünf Inseln liegen vor der nordfriesischen Küste: Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm und Nordstrand. Sie gehören nicht zum Nationalpark, können also jederzeit besucht werden. Wie es sich für Inseln gehört, können Amrum, Föhr und Pellworm nur mit Fähren erreicht werden. Sylt ist durch einen Eisenbahn-Damm, Nordstrand durch einen Straßen-Damm mit dem Festland verbunden.
Vor der Küste Dithmarschens liegt die Insel Trischen. Sie gehört zur Kernzone des Nationalparks und darf daher nicht betreten werden.
Auf Hallig Langeneß.Hamburger Hallig.
„Schwimmende Träume“ nannte Theodor Storm einst die Halligen, denen er mit seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ ein literarisches Denkmal setzte.
Die zehn Halligen sind kleine, nicht eingedeichte Marsch-Eilande, die wie ein Ring die Insel Pellworm umgeben. Mehrmals im Jahr werden die Halligen während Sturmfluten überflutet, lediglich die Warften mit ihren Häusern ragen dann wie kleine Inseln aus dem Meer.
Auf fünf der Halligen – Hooge, Langeneß, Oland, Gröde und Nordstrandischmoor – sind die Ländereien in Privatbesitz. Diese können jederzeit besucht werden, auch gibt es dort Unterkünfte, um dort den Urlaub zu verbringen.
Norderoog befindet sich im Besitz des Naturschutzvereins Jordsand, die Hamburger Hallig, Habel, Südfall und Süderoog sind Eigentum des Landes Schleswig-Holstein. Für diese fünf Halligen gelten gesonderte Besuchs-Regelungen.
Roter Sandstein prägt das Gesicht der Insel Helgoland.
Wenn wir von den Inseln reden, darf natürlich Helgoland nicht vergessen werden. Die Rote Insel ist aber ein Sonderfall, denn sie liegt – anders als die anderen Inseln – weitab von der Küste, außerhalb des Wattenmeeres. Helgoland ist in vielerlei Hinsicht ein lohnendes Reiseziel. Auch der Naturfreund wird auf der Insel auf seine Kosten kommen, denn auf der Insel lassen sich einige besondere Arten beobachten.
Zum Jahreswechsel 1361/1362 war Husum noch ein unbedeutender Flecken auf dem nordfriesischen Festland. Ein kleiner Ort, der noch nicht einmal eine Kirche besaß. Zur Weihnachtsmesse, zu Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen musste die Kirche im knapp vier Kilometer entfernten Mildstedt besucht werden.
Dramatische Veränderungen Und die heutige Kreisstadt Nordfrieslands wäre wahrscheinlich auch ein kleinerer Ort geblieben, hätte sich die Situation nur 15 Tage nach dem Jahreswechsel nicht auf sehr dramatisch Weise geändert. Am 16. Januar 1362 suchte eine verheerende Sturmflut die schleswig-holsteinische Küste heim. Als Zweite Marcellus-Flut oder erste Grote Mandränke verankerte sie sich fest im Bewusstsein der Küstenbewohner. Riesige Teile fruchtbaren Landes wurden damals vom Meer verschlungen. Tausende Menschen und Abertausende Stück Vieh ertranken. Der Küstenverlauf der Nordsee im heutigen Schleswig-Holstein änderte sich gravierend. Ganze Landstriche versanken für immer im Meer (darunter auch die sagenhafte Stadt Rungholt), Inseln und Halligen entstanden. Ein Gezeiten-Strom, die Süderhever, drang weit ins Land vor – und der kleine Flecken Husum wurde dadurch quasi über Nacht ein Hafenort mit direktem Zugang zur Nordsee. Damit war der Anfang der Entwicklung der heutigen Kreis-Hauptstadt zur bedeutendsten Stadt der schleswig-holsteinischen Westküste gelegt.
Am Binnenhafen
Kulturelles Zentrum Heute ist die Kreisstadt Husum das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Westküste. Sie ist Hafen- und Einkaufsstadt sowie ein bedeutender Messeplatz. Der idyllische Binnenhafen ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher aus Nah und Fern. Dort wird auch gerne ein Einkaufsbummel mit einem Besuch eines der zahlreichen Cafés und Restaurants beendet. Mittelpunkt Husums ist der Marktplatz mit dem Alten Rathaus und der Marienkirche, die von 1829 bis 1833 vom dänischen Architekten Christian Frederik Hansen im klassizistischen Stil erbaut wurde. Davor das Wahrzeichen der Stadt, der mit einer Bronze-Skulptur geschmückte Asmussen-Woldsen-Brunnen (Tine-Brunnen), der an zwei Wohltäter der Stadt erinnert.
Tine vor dem Turm der Marien-KircheSchlossgangSchloss vor HusumKrokus-Blüte im Schloss-Park
Museen Der berühmteste Sohn der Stadt ist der Schriftsteller Theodor Storm (1817–1888), der seiner Heimatstadt als „Graue Stadt am grauen Meer“ ein literarisches Denkmal setzte. Sein Wohnhaus in der Wasserreihe 31 beherbergt heute das Theodor-Storm-Museum. Weitere interessante Museen sind das Nordseemuseum im Ludwig-Nissen-Haus, das Freilichtmuseum Ostenfelder Bauernhaus und das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland. Sehenswert ist auch das das Museum im Schloss vor Husum mit dem Torhaus und angrenzenden Schlosspark, der sich besonders zur Krokusblüte Ende März als Besuchermagnet erweist. Von welcher Seite man Husum auch betrachtet, die „Graue Stadt am grauen Meer“ ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Und sie erweist sich als gar nicht so grau, wie Theodor Storm sie einst besang.
Wie in jeder Urlaubsregion, ist auch der Veranstaltungs-Kalender an der Westküste Schleswig-Holsteins prall gefüllt. Viele dieser Veranstaltungen sind neueren Datums und werden zur Unterhaltung der zahlreichen Feriengäste angeboten.
Andere werden bereits seit Jahrhunderten gefeiert – wie das Biike-Brennen, das Teil des kulturellen Erbes der Menschen auf den Halligen, den Inseln und an der Küste Nordfrieslands ist.
Ein Teil der Angebote richtet sich aber auch an jene Besucher, die den Nationalpark erleben und entdecken möchten. Dazu zählen die Watt-Führungen und Schiffs-Exkursionen, aber auch mehrtägige Veranstaltungen, in denen gezielt den Vogelzug zum Thema haben. Im Frühjahr sind es die Ringelgans-Tage, im Herbst der Westküsten-Vogelkiek.
Biike auf NordstrandRingelgans-Tage auf Hallig HoogeVogelkiek am Hauke-Haien-Koog
Auch wenn es manchmal etwas langweilig ist, ein paar Eckdaten und Zahlen verdeutlichen manches ungemein. Und für denjenigen, der tiefer in die Materie eintauchen möchte, sind sie trotzdem interessant. Mit einer Fläche von 4410 Quadratkilometern ist der Nationalpark der größte der Bundesrepublik. Er beginnt im Norden an der deutsch-dänischen Seegrenze und endet im Süden an der Elbmündung. Von der Landseite aus gesehen, beginnt das Schutzgebiet 150 Meter von der Deichlinie entfernt.Die Inseln Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm, die mit dem Festland verbundene Insel Nordstrand sowie die fünf größeren und bewohnten Halligen sind aus der Nationalpark-Fläche herausgenommen. Der 26. Juni 2009 war ein weiteres wichtiges Datum für den Nationalpark: Zusammen mit dem Wattenmeer-Nationalpark in Niedersachsen und dem Wattenmeer-Schutzgebiet der Niederlande wurde er von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt. Damit steht er auf einer Stufe mit anderen weltberühmten Naturwundern wie dem Great-Barrier-Riff in Australien, dem Grand Canyon und den Galapagos-Inseln. Im Nationalpark Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer kommen etwa 700 Pflanzen- und 2500 Tierarten vor. Von Würmern, Schnecken und Muscheln bis hin zu Insekten, Fischen, Vögeln und Säugetieren. Unter den Tieren sind etwa 250 Arten, die es nur im Wattenmeer gibt. Werden einzellige Organismen mitgezählt, leben schätzungsweise 5000 bis 10.000 Arten im Nationalpark. Auf der Durchreise zwischen ihren Brutgebieten in den arktischen Regionen und ihren Überwinterungsgebieten legen jedes Jahr rund 10 bis 12 Millionen Vögel eine Rast im Wattenmeer ein. Hier finden sie genug Nahrung, um sich für die oft Tausende von Kilometern lange Reise zu stärken. Der Nationalpark ist in zwei Schutzzonen aufgeteilt. Die Schutzzone 1 ist das Kerngebiet des Nationalparks. Sie umfasst ein gutes Drittel der Nationalpark-Fläche. Dieses Gebiet wird weitgehend der Natur überlassen. In der Schutzzone 2 ist eine eingeschränkte Nutzung erlaubt. In dieser Zone liegt auch das westlich von Sylt und Amrum eingerichtete 1240 Quadratkilometer große Wal-Schutzgebiet.
Da der überwiegende Teil der Nationalpark-Fläche dauernd oder zeitweise von Wasser bedeckt, scheint es auf den ersten Blick recht schwierig, die Tier- und Pflanzenwelt direkt im Schutzgebiet zu erkunden. Unmöglich ist es aber nicht.
Bei Niedrigwasser fallen weite Wattflächen frei
Da infolge der Gezeiten weite Wattflächen trockenfallen, können Teile des Nationalparks betreten werden. Empfehlenswert sind spezielle Führungen ins Watt, bei denen viel Wissenswertes über den Nationalpark vermittelt wird. Wer es hingegen ruhiger möchte, für den ist ein erholsamer Spaziergang im Watt das Richtige. Auch während Schifffahrten gibt es viel zu entdecken – bei regulären Fähr-Verbindungen ebenso wie bei Ausflugsfahrten. Das hört sich jetzt etwas ungewöhnlich an, aber es ist auch möglich, an einer Kutschfahrt durch das Watt teilzunehmen. Die Fahrt führt von Nordstrand zur Hallig Südfall, die zur Kernzone des Nationalparks gehört.
Erholsam und entspannend: zu Fuß im WattGeführte Exkursion ins WattAusflugsfahrt mit dem SchiffMit der Kutsche nach Südfall
Ob als Tagesausflug oder bei einem längeren Aufenthalt: ein Besuch Helgolands ist für jeden Naturliebhaber ein ganz besonderes Erlebnis. Obwohl die Insel außerhalb des Wattenmeeres liegt und somit nicht zum Nationalpark gehört, bietet sie einige Besonderheiten, die es sonst nirgends in Deutschland gibt. Bereits die Überfahrt kann zu einem kleinen Abenteuer werden. Außerhalb des Wattenmeeres ist die See immer etwas rauer als in Küstennähe. Und bei starkem Wind macht das Schiff schon mal Bewegungen, die nicht jedem Magen zuträglich sind. Wer nicht ganz seefest ist, sollte daher lieber einen ruhigen Tag für die Überfahrt wählen. Auch die Ankunft kann ein besonderes ein Erlebnis werden: Die meisten Schiffe bleibt außerhalb des Hafens auf Reede liegen, das Übersetzen der Fahrgäste erfolgt dann mit den typischen Helgoländer Börte-Booten.
Helgoland in SichtDie Börte-Boote in BereitschaftÜbersetzen in einem Börte-Boot
Durch ihre übersichtliche Größe – die Hauptinsel ist rund ein Quadratkilometer groß, die Düne mit 0,7 Quadratkilometer etwas kleiner – ist Helgoland auch während des bei Tagesfahrten üblichen des drei- bis vierstündigen Inselaufenthalts gut zu erkunden. Mit ihren roten Buntsandstein-Formationen beeindruckt die Insel durch ihre landschaftliche Schönheit, die sich am besten durch den Rundweg entlang den 50 Meter hohen Steilküsten erschließt. Der Weg führt auch an der „Langen Anna“ vorbei, einer 47 Meter hohen, freistehenden Felsnadel am nördlichen Ende der Insel.
Helgoland beeindruckt durch seine roten KlippenDie Lange Anna ist das Wahrzeichen der InselEin gern besuchtes Ziel: die farbenfrohen Hummerbuden am HafenAuf Reede liegende Ausflugs-Schiffe
Seevögel Beeindruckend sind die zahlreichen Seevögel, die in den steil zum Meer abfallenden Klippen brüten und zum Teil aus nächster Nähe beobachtet werden können. Für fünf von ihnen liegen die einzigen Brutplätze in Deutschland auf Helgoland: Dreizehenmöwe, Tordalk, Eissturmvogel, Trottellumme und Basstölpel, den größten Seevogel des Nordatlantiks. Die Trottellummen haben einem der steilen Brutklippen, dem Lummen-Felsen, den Namen gegeben. Dort brüten die Vögel auf schmalen Felsbändern. Ihre Eier sind diesem gefährlichen Brutplatz angepasst: sie sind kegelförmig und können daher nicht herunterrollen. Jedes Jahr zwischen Mitte und Ende Juni treffen zahlreiche Vogelfreunde auf Helgoland ein, um ein einzigartiges Naturschauspiel mitzuerleben – den Lummen-Sprung. Angespornt durch das Rufen ihrer Eltern, springt der etwa drei Wochen alte, noch nicht flugfähige Lummen-Nachwuchs bis zu 50 Meter in die Tiefe. Das hört sich dramatisch an, ist es aber nicht. Gut gepolstert überstehen die Kleinen den Sprung ohne Schaden zu nehmen. Die Basstölpel sind seit 1991 als Brutvögel auf Helgoland anzutreffen. Seitdem hat sich der Bestand auf etwa 1000 Brutpaare vergrößert. Sie haben sich an die zahlreichen Besucher gewöhnt und lassen sich von ihnen nicht stören. Sie sind daher aus sehr kurzer Distanz zu beobachten und zu fotografieren. Der Eissturmvogel, der seit 1968 an den Felsen brütet, ist hingegen nicht so leicht auszumachen, da er sein Nest meist an schwer einsehbaren Stellen hat. Sein Bestand hat stark abgenommen: die Zahl der Brutpaare sank von vormals 100 auf nur noch 25 im Jahr 2022.
Seevögel brüten in den KlippenEine Kolonie TrottellummenBrütende Dreizehen-MöwenEine junge Dreizehen-MöweDie Basstölpel lassen sich von nahem BeobachtenBasstölpelJunger Basstölpel
Helgoländer Düne Auch die etwa einen Kilometer östlich der Hauptinsel gelegene Düne wartet mit einem besonderen Naturerlebnis auf. Aus relativ kurzer Entfernung lassen sich hier Seehunde und sogar Kegelrobben gut beobachten – an manchen Tagen können es mehrere Hundert Tiere sein. Mit ihren feinen Sandstränden dient die Düne als Bade-Insel. Auf ihr befinden sich zudem der Flugplatz der Insel, ein Leuchtturm und der Friedhof der Namenlosen.
Blick auf die Düne Der Friedhof der NamenlosenSeehunde am StrandAuch Kegelrobben lassen sich gut beobachten
Einkauf auf Helgoland Vor der Rückfahrt sollte die Gelegenheit zu einem Einkaufsbummel genutzt werden, denn so günstig kann man sonst nirgendwo in Deutschland einkaufen. Zolltechnisch gilt Helgoland als Ausland und unterliegt somit nicht dem Steuerrecht der EU. Doch die Waren werden nicht nur zollfrei, sondern auch ohne Mehrwertsteuer angeboten. Neben Zigaretten und Alkohol (Zollbestimmungen beachten) lohnt sich auch der Einkauf von Schmuck, Parfüm, Marken-Textilien und optischen Geräten.
Zahlreiche Geschäfte laden zum günstigen Shoppen ein
Kulinarischer Tipp: Knieper Wer in Bezug auf sein Essen etwas experimentierfreudig ist und auch gern etwas Neues ausprobieren möchte, der sollte unbedingt einmal eine Helgoländer Spezialität bestellen – den Knieper. Das sind die Scheren des Taschenkrebses, die gekocht – warm oder kalt – mit etwas Brot und verschieden Saucen serviert werden. Über das Besteck sollte man sich aber nicht wundern, denn oft gehört ein Holzkammer dazu, mit dem der Gast die Scheren zertrümmern muss, um an das schmackhafte Fleisch zu gelangen.
Knieper, eine Helgoländer Spezialität
Wie komme ich noch Helgoland? Während der Saison werden von Büsum aus täglich Fahrten nach Helgoland angeboten. Seit 2018 wird die Insel auch von den nordfriesischen Inseln Amrum aus mit einem Katamaran angefahren. Zudem besteht von dem Flugplatz Heide-Büsum eine Linien-Flugverbindung zum Helgoländer Flugplatz auf der Düne. Auch von Hamburg und der niedersächsischen Küste gibt es Möglichkeiten, die Insel zu erreichen.