Kategorie: Die Welt entdecken

Der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr

Ein Leuchtturm auf Wanderschaft …

Einmal musste ich ihn noch an seinem exponierten Standort sehen: den Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr. Denn für das Wahrzeichen Nordjütlands sind die Tage an diesem außergewöhnlichen Ort gezählt.

Etwas surreal wirkt die ganze Szenerie ja schon. Da steht der 23 Meter hohe Leuchtturm mitten in einer großen Wanderdüne – gerade so, als würde er Schiffen in einer Wüste den Weg weisen wollen. Doch damit nicht genug: Er befindet sich auch noch direkt an der Abbruchkante eines 60 Meter hohen Steilufers.

Der Leuchtturm stand nicht immer an einer derart extremen Stelle. Als 1899 mit dem Bau begonnen wurde, war der Rubjerg Knude als Standort eine sehr gute Wahl. Mit einer Höhe von 60 Metern war er der höchste Punkt an der 13 Kilometer langen Steilküste. Doch im Gegensatz zu heute, lag diese damals gut 200 Meter weiter draußen. Im Dezember 1900 wurde er in Betrieb genommen.
Doch schon um 1910 herum begann ein Natur-Phänomen, dem Leuchtturm zuzusetzen. Der Wind blies stetig Unmengen an Sand die Steilküste hinauf, so dass sich oben – auf 60 Meter Höhe – eine Wanderdüne bildete. Dieses wurde höher und höher, und wanderte immer weiter ins Landesinnere hinein. Es wurde versucht, dem Sand mit in die Düne gesteckten Kieferzweigen Einhalt zu gebieten. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Düne wanderte zwar nicht weiter, sie wurde dafür aber so hoch, dass der Leuchtturm nicht mehr von See aus zu sehen war. Daraufhin wurde der Betrieb am 1. August 1968 eingestellt.

  • Rubjerg Knude Fyr (1)

Alle Maßnahmen, die Düne aufzuhalten, scheiterten. So wurde zu Beginn der 1990er Jahre beschlossen, der Natur ihren Lauf zu lassen. Dafür avancierte der Leuchtturm aufgrund seiner spektakulären Lage zu einem beliebten Ausflugsziel – sowohl für Einheimische als auch für Touristen.

Doch nicht nur die Düne setzte dem Leuchtturm zu. Auch das Meer nagte an der Steilküste. Während der Wind die Düne jedes Jahr etwa 20 Meter landeinwärts treibt, trägt das Meer jährlich etwa zwei Meter von der Steilküste ab. Berechnungen ergaben, dass der Leuchtturm im Jahr 2020 ins Meer stürzen würde.

Im Herbst 2018 wurde beschlossen, den Rudbjerg Knude Fyr zu retten und als Ganzes etwa 80 Meter weiter ins Landesinnere zu versetzen. Am 14. August 2019 wurde der Bereich um den Leuchtturm abgesperrt. Die Vorarbeiten werden etwa zehn Wochen dauern, das Versetzen selbst wird dann relativ schnell innerhalb eines Tages vonstatten gehen. Wenn alles nach Plan läuft, wird der Leuchtturm Anfang November 2019 wieder für Besucher freigegeben.

Nachtrag: Ein glückliches Ende
Es ist geschafft: Nach gut zweimonatiger Vorbereitungszeit steht der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr seit dem 22. Oktober 2019 auf seinem neuen Platz.
Der Umzug begann um 9.00 Uhr morgens mit dem Anheben des Turms um einige Zentimeter. Dies war ein recht kritischer Moment, denn es war nicht klar, wie der Untergrund so dicht an der Abbruchkante reagieren würde. Aber dann lief alles wie geschmiert.
Unter den Augen von Tausenden Zuschauern und den Linsen zahlreicher Kameras wurde der 700 Tonnen schwere Leuchtturm mit zwölf Meter pro Stunde auf seinen neuen Platz verschoben. Bereits um 14.38 Uhr erreichte er seine neue Position – 70 Meter von seinem bisherigen Standort an der Abbruchkante entfernt.
Verantwortlich für den Umzug war der Maurermeister Kjeld Pedersen aus dem nahegelegenen Lønstrup. Die Wiedereröffnung des Leuchtturms wurde am 16. November 2019 mit einem großen Fest gefeiert.

Wo Nord- und Ostsee sich treffen

Als Schleswig-Holsteiner weiß man den Luxus zu schätzen: Innerhalb relativ kurzer Zeit kann man sowohl die Nordsee, als auch die Ostsee erreichen. Da bleibt es nicht aus, auch einmal den Ort an der Nordspitze Jütlands zu besuchen, wo sich – je nach Definition – Nordsee und Ostsee beziehungsweise die Meeresarme Skagerrak und Kattegat treffen.

  • Skagen - Grenen

Es ist die Landzunge Grenen, nordöstlich von Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks. Vom Zentrum Skagens sind es etwa drei Kilometer bis zum Parkplatz Grenen. Der Platz ist zwar immer recht gut besetzt, doch meist ist es kein Problem, einen freien Stellplatz zu finden. An einem Automaten wird der benötigte Parkschein gelöst. Mit Bargeld läuft da allerdings nichts, der Automat akzeptiert nur Kreditkarten. Auch das Auschecken erfolgt wiederum mit der Kreditkarte. Danach wird die Parkgebühr zeitgenau abgerechnet und abgebucht.
Vom Parkplatz aus sind es noch etwa 1,3 Kilometer Fußweg bis zur Spitze der Landzunge. Der Weg führt durch die Dünen, an Drachmanns Grab (einer der bedeutenden Skagen-Maler) und an Bunkerresten vorbei zum Strand, von dort aus weiter zur Nordost-Spitze. Die Menschenansammlung zeigt bereits das Ziel, sie alle wollen einmal am nördlichen Ende von Dänemark stehen, einmal mit einem Bein in der Nordsee und mit einem Bein in der Ostsee zu stehen und das obligatorische Foto machen. Aufgrund der schwierigen Strömungsverhältnisse ist das Baden hier allerdings verboten.
Das Faszinierende ist, dass genau zu sehen ist, wo sich Skagerrak und Kattegat treffen: von beiden Seiten laufen die Wellen aus unterschiedlichen Richtungen an und treffen sich genau an der Spitze des Grenen.
Da Skagerrak und Kattegat viel befahrene Gewässer sind, ist Grenen ebenfalls ein guter Ort um Schiffe zu beobachten – darunter auch Kreuzfahrtschiffe und die großen Fähren. Zudem liegen vor Skagen meist eine Anzahl von Schiffen auf Reede, die auf neue Aufträge warten.
Auch für Naturbeobachtungen ist die Nordspitze Jütlands bestens geeignet. Im Wasser sind Kegelrobben zu beobachten, über dem Wasser Seevögel. Darunter auch Basstölpel, die im Sturzflug nach Nahrung fischen. Im Mai/Juni ist das Gebiet zudem einer der besten Orte, um den Vogelzug zu beobachten.