Kategorie: Schweiz

Das Wallis – Wo die Schweiz am Höchsten ist

Das Wallis, der drittgrößte Kanton der Schweiz, zeigt sich vielfältig und abwechslungsreich. Das fängt bereits bei der Sprache an. Der westliche Teil des Kantons, das Unterwallis, ist französischsprachig, der östliche Teil, das Oberwallis, ist deutschsprachig. Die Grenze liegt zwischen den Orten Sierre (Siders) und Leuk.

Das Monte-Rosa-Massiv mit dem Gorner-Gletscher. Die Dafourspitze (links) ist der höchste Gipfel der Schweiz.

Das Wallis ist ein Kanton der Kontraste: im Tal der Rhone ermöglichen mediterrane Temperaturen den Anbau von Wein und Aprikosen, nicht weit entfernt sind die eisigen Welten der Bergriesen und mit ihren Gletschern zu finden. 

Im Wallis sind die Berg-Giganten zu Hause. Von den 48 Viertausendern der Schweiz liegen 41 ganz oder teilweise im Wallis. Darunter der höchste Berg der Schweiz, die 4.634 Meter hohe Dufourspitze und auch der bekannteste Berg der Alpen, das 4.478 Meter hohe Matterhorn.

Das Wallis ist auch die Heimat des Aletsch-Gletschers. Mit einer Länge von 20 Kilometern, einer Breite von durchschnittlich 1,5 Kilometern und einer maximalen Tiefe von 800 Metern ist er der größte und längste Gletscher der Alpen. 

Das Wallis ist auch der Kanton der noch jungen Rhone, die im deutschsprachigen Oberwallis noch Rotten genannt wird – der Rotten, nicht die Rotten. Erst im Unterwallis ändert sich der Name in Rhone. Sie entspringt im äußersten Nordosten des Kantons, am Rhone-Gletscher. Hier ist noch nicht zu vermuten, dass der Rotten zu einem der wasserreichsten Flüsse Europas heranwachsen wird. 

Der Rotten fließt zunächst durch das Goms mit den für diese Region typischen Holzhäusern und Ställen, die teils mehrere Hundert Jahre alt sind.

Zermatt ist einer der bekanntesten Urlaubs-Orte.

In seinem weiteren Verlauf durch das Oberwallis wird der Rotten durch den Zufluss von Bächen zusehends wasserreicher. So mündet die Saltina in Brig in den Rotten, knappe zehn Kilometer weiter fließt die Visp in dem gleichnamigen Ort in den Fluss. Die Visp bildet sich aus den beiden Gebirgsbächen Matter Visp und Saaser Visp, die das Mattertal und das Saastal mit den bekannten Orten Zermatt und Saas Fee durchfließen.

Am westlichen Ende des Kantons mündet die junge Rhone schließlich im Genfer See.

Sterbende Eisriesen

Die gewaltigen Eismassen der Gletscher haben mich bereits als junger Mensch fasziniert, doch irgendwie habe ich es nie geschafft, sie mir auch einmal in der Realität anzuschauen. Aber dann war es endlich soweit und es hieß: „Einmal noch die Gletscher sehen, solange es sie noch gibt“. 

Das mag jetzt vielleicht etwas übertrieben und theatralisch klingen, aber es ist nun mal eine Tatsache, dass die Gletscher unsere Alpen rasant schwinden. 

Einer wie ich, der nun doch schon eine Reihe von Jahren auf den Buckel hat, wird das Ende der Gletscher zwar nicht mehr erleben, aber für die heutigen Kinder und die folgenden Generationen wird das Aus vieler Gletscher zur Realität werden.

Wurden die Gletscher vor 150 Jahren noch als bedrohliche Ungeheuer angesehen, sind sie heute zu dahinsiechenden Riesen geschrumpft. Denn gerade unsere Alpen sind vom Klimawandel besonders stark betroffen, hier machen sich dessen Auswirkungen recht deutlich bemerkbar, die Folgen sind hier sichtbarer als anderswo. 

So haben die Schweizer Gletscher aufgrund des Klimawandels in den zehn Jahren von 2015 bis 2025 ein Viertel ihres Volumens verloren. Prognosen sagen, dass bereits in 30 bis 40 Jahren die meisten Gletscher der Ostalpen verschwunden sind.

Auch für die Deutschen Alpen sehen die Vorhersagen recht schlecht aus. So gab es zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch fünf Gletscher, seit 2022 sind es aber nur noch vier. Denn der Südliche Schneeferner ist so klein geworden, dass er nicht mehr als Gletscher geführt wird. Es wird angenommen, dass es 2050 wohl keine Gletscher mehr in den deutschen Alpen gibt.

An einigen Gletschern der Schweizer Alpen ist das Schwinden der Eismassen deutlich nachvollziehbar. Beispiele dafür sind der Aletsch-Gletscher, der Rhone-Gletscher und der Morteratsch-Gletscher

Mit der Gornergrat-Bahn zu fantastischen Ausblicken

Für mich ist die Fahrt mit der Gornergrat-Bahn ein ganz besonderes Erlebnis, zählt sie doch mit zu den schönsten Bahn-Strecken Europas. 1896 wurde mit dem Bau der Bahn begonnen, bereits zwei Jahre später nahm sie ihren Betrieb auf. Als erste vollelektrifizierte Zahnradbahn der Schweiz war sie im ausklingenden 19. Jahrhundert eine weltweit bewunderte technische Meisterleistung.

Die Fahrt vom Zentrum Zermatts (1.605 Meter) bis zum 3.089 Meter hoch gelegenen Gornergrat dauert etwa eine halbe Stunde und gibt auf der 9,4 Kilometer langen Strecke spektakuläre Blicke auf die Bergwelt frei, darunter immer wieder neue Ausblicke auf das Matterhorn. An der Endstation befindet sich das Kulmhotel Gornergrat, das höchstgelegene Hotel der Schweiz mit einem Restaurationsbetrieb und einer Sternwarte.

Von den Aussichts-Terrassen eröffnet sich ein fantastische Berg-Panorama – das als eines der schönsten weltweit gilt. Von hier aus kann der Besucher bei guter Sicht auf 29 Viertausender ringsum blicken: darunter das Monte-Rosa-Massiv mit der Dufourspitze, (mit 4.634 Metern der höchste Berg der Schweiz), die Zwillinge Castor (4.228 Meter) und Pollux (4.092 Meter), der Liskamm (4.479 Meter) und natürlich das unverwechselbare Matterhorn (4.478 Meter). Ebenso bietet sich ein wunderbarer Blick auf das Gletscher-System des Gorner-Gletschers. Er gilt nicht nur als der älteste Gletscher der Alpen, nach dem Aletsch-Gletscher ist er auch der zweitgrößte. 

Wer von der Bergwelt noch etwas mehr als nur die Aussicht genießen möchte, der sollte auf der Rückfahrt an der nächsten Station Rotenboden (2.815 Meter) aussteigen. Von dort aus führen verschiedene Wanderwege durch das Gebiet. Unbedingt empfehlenswert ist die Wanderung zum nahegelegenen Riffelsee (2.757 Meter). Der See ist bekannt dafür, dass sich das Matterhorn in ihm spiegelt. Gut 200 Meter weiter liegt ein namenloser See gegangen, in dem sich das Matterhorn ebenso schön spiegelt. 

Neben den grandiosen Ausblicken auf die Bergwelt gibt es auf der Wanderung auch Pflanzen zu bewundern, die sich an diese extreme Höhenlage angepasst haben. Darunter die Frühlings-Küchenschelle und der Bayerische Enzian, sowie das Stängellose Leimkraut und die Gämsheide, eine kleine, niedrige Polsterpflanze, die dem Wind keine Angriffsfläche bietet. An der Station Riffelberg (2.582 Meter) kann man wieder in die Gornergrat-Bahn steigen und zurück nach Zermatt fahren.

Die Schweiz: Im Land der Viertausender

Nach einem bekannten Spruch sollen Gegensätze sich ja anziehen. Das kann ich nur bestätigen. Denn es zieht mich – obwohl ich ein typischer Küsten-Flachländer bin – auch immer wieder in ganz andere Regionen dieser Welt.

Gletscher-See vor Bergpanorama.

Und was ist nun der große Gegensatz zu Meer und Küste? Eben – die Berge. Und wenn schon Berge, dann will ich die wirklich hohen Berge sehen. Daher ist Schweiz mit ihren zahlreichen Viertausendern für mich das bevorzugte Hochgebirgs-Reiseziel. Immerhin sind 48 Gipfel der Schweiz über 4.000 Meter hoch. Aber keine Angst, die will ich nicht besteigen, ich möchte einfach den Anblick dieser Giganten genießen.

Neben dem Erleben der grandiosen Bergwelt gibt es für mich noch weitere Gründe, die für die Schweiz als Reiseziel sprechen.

Da ich schon immer gerne zu Fuß unterwegs bin, bieten die Alpen beste Gelegenheiten zum Wandern. Dieses stetige Bergauf und Bergab ist doch etwas Anderes, als sich nur immer im flachen Land zu bewegen. Dazu ist es doch etwas ganz Besonderes, die Welt von oben zu betrachten und die fantastischen Ausblicke zu genießen.

Schon als junger Mensch habe ich mich für die Natur interessiert, ganz besonders für Pflanzen. Auch auf diesem Gebiet haben die Alpen für mich viel Neues zu bieten, das sich zu entdecken lohnt – die Alpen-Flora, die sich ganz gravierend von der Pflanzenwelt des Flachlandes unterscheidet.

Und dann sind da noch die Gletscher, die mich einfach faszinieren. Diese eisigen Welten, die einst gefürchtet waren, jetzt durch die Klima-Erwärmung stark bedroht sind. Ich musste die großen Gletscher einfach mal sehen – solange es sie noch gibt.

Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher der Alpen.

Und es gibt noch einen weiteren Grund, der Schweiz einen Besuch abzustatten – die Eisenbahnen und Busse, die berühmt für ihre Pünktlichkeit sind. In der Schweiz braucht man kein Auto, um weiter entfernt liegende Ziele zu erreichen. Auf dem gut erschlossenes Schienen-Netz der Schweizer Bahnen, das zu den dichtesten der Welt gehört, sind fast alle größeren Orte des Landes zu erreichen. Soll es dann weitergehen, warten an den Bahnhöfen bereits die gelben Postautos, die einen dann an entlegenere Orte bringen. 

Manche Zugstrecken sind so spektakulär, dass manche darauf verkehrende Züge mit Panorama-Wagen ausgestattet werden und dann weltweit bekannte Namen tragen – wie der Glacier Express und Bernina Express. Es macht einfach Spaß, mit der Eisenbahn zu fahren und die fantastischen Ausblicke zu genießen. Eine Besonderheit sind die Bergbahnen, mit denen die Schweizer Ingenieure beeindruckende Pionier-Arbeit geleistet haben. 

Die ganze Schweiz kenne ich natürlich nicht. Ich habe mich vielmehr auf zwei Kantone beschränkt, die ich etwas genauer kennenlernen wollte – auf das Wallis und auf Graubünden, hier nun speziell auf das Oberengadin. Von den jeweiligen Zielorten mache ich aber auch gerne kleine Abstecher in benachbarte Regionen.