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Hinter den Deichen

Die Westküste von Schleswig-Holstein hat sich im Laufe der Jahrhunderte ständig verändert. Durch Sturmfluten ging immer wieder Land verloren, im Gegenzug versuchten die Menschen durch Eindeichungen Land zu gewinnen. So prägt das Wechselspiel zwischen den Sturmfluten und der Landgewinnen das Gesicht dieser Landschaft. 

Die Wehlen sind Zeugnisse frühere Sturmfluten und Deichbrüche.

Die Küstenbereiche sind meist künstliche, durch Menschenhand geschaffene Gebiete – die Köge, durch Eindeichungen gewonnenes Land. Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts stand bei diesen Maßnahmen neben dem Küstenschutz die Landgewinnung im Vordergrund. Dann trat ein Gesinnungswandel ein, so dass zumindest ein Teil der eingedeichten Fläche und Schutz gestellt wurde.

So sind in diesen Gebieten für die Tier- und Pflanzenwelt interessante Gebiete entstanden, da die dort vorhandenen Wasserflächen flachen Lagunenlandschaften gleichkommen, die es sonst an der schleswig-holsteinischen Westküste nicht mehr gibt. Diese Flächen sind zu wichtigen Rastplätzen während des Vogelzuges geworden, auch können sich die Vögel nach der Nahrungsaufnahme im Watt und bei Hochwasser hierher zurückziehen.

Speicherkoog Dithmarschen

Ziemlich genau in der Mitte zwischen den Urlaubsorten Büsum und Friedrichskoog liegt der Speicherkoog Dithmarschen. Er entstand 1978 als Maßnahme zur Verbesserung des Küstenschutzes und der Entwässerung des Hinterlandes. Ein Teil des durch die Eindeichung gewonnenen Landes wurde zur landwirtschaftlichen Nutzung ausgewiesen, weitere Areale blieben der Naherholung vorbehalten (Badestellen, Marina, Golfplatz, Surf-See).

Morgenstimmung im Speicherkoog Dithmarschen.

Da durch die Eindeichung ökologisch wertvolle Salzwiesen und Wattflächen unwiderruflich verloren gingen, wurden im Koog weiträumige Ausgleichsflächen für den Naturschutz geschaffen. Darunter zwei Naturschutzgebiete: das NSG Wöhrdener Loch im Nordteil und das NSG Kronenloch im Süden.
Im gesamten Speicherkoog bieten sich das ganze Jahr über gute Beobachtungsmöglichkeiten. Von den durch den Speicherkoog führenden Straßen lassen sich die Flächen gut einsehen. Auch von der erhöhten Warte des Seedeichs bieten sich gute Einblicke in die beiden Naturschutzgebiete.
Während des Vogelzuges sind hier immer wieder Raritäten anzutreffen. So zum Beispiel Odinshühnchen und Kampfläufer, die im Mai bereits mit ihrer spektakulären Balz beginnen. Im Sommer 2019 war sogar ein Rosa-Pelikan mehrere Wochen lang zu beobachten.
Im Wattwurm, dem von der Schutzstation Wattenmeer betriebenen Informationszentrum, können sich die Besucher über den Nationalpark Wattenmeer und den Speicherkoog informieren. Es werden auch geführte Exkursionen angeboten. Unmittelbar neben dem Informationszentrum beginnt ein etwa 500 Meter langer Bohlenweg, ein barrierefreier Lehrpfad, auf dem viel über die Natur des Speicherkoogs zu erfahren ist.