Mit seinem schwarz-weißen Gefieder und dem langen roten Schnabel ist der Austernfischer leicht zu erkennen. Aufgrund dieses recht markanten Aussehens wird er auch gern als Halligstorch bezeichnet. Er ist das ganze Jahr über an unseren Küsten anzutreffen. Unverkennbar sind auch seine weithin hörbaren trillernden Balzrufe.
Bevorzugt brütet er in Ufernähe, gern in den Salzwiesen und auf den Halligen. Seinen Brutplatz und sein Revier behält er ein Leben lang und verteidigt sie gegen Konkurrenten. Werden die guten Reviere knapp, weicht er hinter die Deiche aus, manchmal auch ins Hinterland. Sogar auf geschotterten Flachdächern brütet er inzwischen.
Durch sein markantes Aussehen ist der Austernfischer nicht zu verwechseln.Mit dem kräftigen Schnabel wird nach Nahrung gestochert.
Im Schnitt werden Austernfischer etwa 20 Jahre alt, doch es wurden auch schon Exemplare mit einem Alter von über 40 Jahren nachgewiesen.
Obwohl der Charaktervogel der Nordseeküste noch recht häufig ist, werden die rückläufigen Bestandszahlen mit Sorge betrachtet. Der Bestand in Schleswig-Holstein wird derzeit auf 14.000 Brutpaare geschätzt. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele.
Auffällig ist der Balztanz der Austernfischer.Die Jungen sind Nestflüchter. Bereits kurz nach dem Schlupf werden sie von den Eltern vom Nest weggeführt.
Sein Name ist allerdings irreführend, denn Austern stehen nicht auf der Speisekarte des Austernfischers. Deren Schalen sind ihnen nun doch etwas zu hart. Dafür zählen aber Herz- und Miesmuscheln zu seinen Lieblingsspeisen. Auch Würmer, kleine Krebse und Insekten verschmäht er nicht.
So nebenbei:
Die Austernfischer brüten ja gerne auf Wiesen und Weiden. Eigentlich ist das ein richtig schöner und ruhiger Platz – wenn da nur nicht die lieben Nachbarn wären. Denn die nehmen einfach keine Rücksicht auf das Gelege. Da hilft es dann nur, ganz nachdrücklich seine Meinung kundzutun.
An den spitz zulaufenden Flügeln und dem gegabelten Schwanz sind Seeschwalben gut zu erkennen.
Mit ihrem silber-weißen Federkleid werden die Seeschwalben oft mit den Möwen in einen Topf geworfen. Was auch verständlich ist, da ohne Zweifel eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden ist. Aber wenn man etwas genauer hinschaut, sind sie doch recht gut voneinander zu unterscheiden.
So sind Seeschwalben in ihrem Erscheinungsbild schlanker und eleganter als Möwen, wirken nicht so plump. Auch sind sie im Flug gut an ihrem gegabelten Schwanz und ihren spitz zulaufenden Flügeln zu erkennen.
Es ist immer wieder faszinierend, Seeschwalben beim Jagen zu beobachten, denn sie haben eine besonders markante Jagd-Technik entwickelt. Um kleine Fische zu erbeuten, stehen sie zunächst rüttelnd über dem Wasser in der Luft, um sich dann urplötzlich mit angelegten Flügeln und Kopf voran ins Wasser hineinzustürzen.
An unseren Küsten kommen fünf Arten von Seeschwalben als Brutvögel vor: Am häufigsten sind die Küsten- und die Flussseeschwalbe, seltener sind die Zwergseeschwalbe und die Brandseeschwalbe. Die Lachseeschwalbe ist hingegen in unseren Breiten eine große Rarität geworden. Sie brüten bei uns in Deutschland nur noch mit sehr wenigen Brutpaaren.
Die Lachseeschwalbe ist eine Rarität an unseren KüstenZwergseeschwalbe
Die Küsten- und die Flussseeschwalbe sind sich sehr ähnlich. Sie lassen sich aber gut an ihren Schnäbeln unterscheiden: bei der Küstenseeschwalbe ist er einheitlich dunkelrot, bei der Flussseeschwalbe ist die Schnabelspitze schwarz.
Küstenseeschwalben haben einen einheitlich roten SchnabelFlussseeschwalben haben eine schwarze Schnabelspitze
Im Gegensatz zu den Möwen, die das ganze Jahr über anzutreffen sind, sind die Seeschwalben Zugvögel. Im Frühjahr kommen sie an unsere Küsten, um hier zu brüten. Im Herbst treten sie dann den Rückflug in ihre südlichen Überwinterungsgebieten an.
Die Küstenseeschwalben sind ein Rekordhalter: Sie gelten als der Zugvogel mit der längsten Zugstrecke. Ihr Überwinterungsgebiet liegt in den südlichen Polarregionen. Für die Vögel, die in den nördlichen Polarregionen brüten, bedeutet das für den Hin- und Rückflug eine Zugstrecke von bis zu 30.000 Kilometern.
Beobachtungs-Tipp
Im Allgemeinen brüten Seeschwalben in entlegenen Gebieten, in denen sie nicht vom Menschen gestört werden. Eine Ausnahme bildet die Kolonie am Eider-Sperrwerk. Von Juni bis Mitte Juli lässt sich hier das Brutgeschehen von recht Nahem erleben.
Die gemischte Brutkolonie von Küstenseeschwalben und Lachmöwen befindet sich auf den Abdämmungen zu beiden Seiten des Sperrwerks. Das Areal ist eingezäunt und darf nicht betreten werden.
Die Vögel haben sich an die zahlreichen Besucher des Eidersperrwerks gewöhnt, so dass das Brutgeschehen und die Fütterung der Jungvögel ganz aus der Nähe beobachtet werden kann. Doch sollte man auch eine gewisse Vorsicht walten lassen, denn es kann vorkommen, dass Besucher von den Vögeln als zu aufdringlich empfunden werden und sie dann attackieren.
Brutkolonie am Eider-SperrwerkJunge KüstenseeschwalbeDer Nachwuchs wird gefüttert
Die Vögel sind zweifelsohne die spektakulärste Tiergruppe, die im Nationalpark und in seinen Randbereichen zu beobachten ist. Sie gibt es überall an der gesamten Westküste, manche Arten treten teils in spektakulären Mengen auf.
Gerade dieser Vogelreichtum ist es, der über das ganze Jahr hinweg zahlreiche Vogelbegeisterte in die Bereiche in und um das Wattenmeer zieht – Besucher von außerhalb ebenso wie Einheimische. Und ich muss gestehen, auch ich gehöre zu den Menschen, die von der Vielfalt der Vogelwelt jedes Mal aufs Neue fasziniert sind.
Vögel kommen zwar überall an der Westküste vor, aber es gibt auch Hotspots, in denen sie besonders zahlreich anzutreffen sind. Hier wurden Hütten oder Aussichts-Plattformen errichtet, von denen aus störungsfrei beobachtet werden kann.
Brutvögel, Durchzügler und Wintergäste
Manche Arten sind das ganze Jahr über anzutreffen, andere kommen aus dem Süden, um in den Sommermonaten bei uns zu brüten, während in den Wintermonaten Gäste aus dem Norden zu beobachten sind.
Im Frühjahr und Herbst fasziniert der Vogelzug. Dann verwandeln sich das Wattenmeer und die angrenzenden Bereichen zu dem vogelreichsten Gebiet Europas. Bis zu 12 Millionen Vögel nutzen es im Laufe des Jahres. Für die meisten von ihnen ist das Wattenmeer nur eine Zwischenstation, denn ihre Brutplätze liegen weit im Norden, in den arktischen Tundren von Grönland bis Sibirien. Für sie ist das Watt ein üppig gefüllter Tisch, an dem sie sich die dringend benötigten Fettreserven für ihre mehrere Tausend Kilometer weiten Zugstrecken zwischen den Brut- und Überwinterungs-Gebieten anfressen können.
Die Vielfalt der Vogelwelt
Über das ganze Jahr hinweg kann man Vögel beobachten. Das Artenspektrum ist vielfältig und je nach Jahreszeit variiert die Anzahl der Arten und Individuen. Mit etwas Glück sind auch seltene Arten zu sehen.
Allgegenwärtig – überall und zu jeder Jahreszeit – sind die Möwen. Sie sind die typischen Küstenvögel, die weder zu übersehen noch zu überhören sind. Möwen haben sich an den Menschen gewöhnt, sie sind überhaupt nicht scheu. Im Gegenteil, manchmal sind sie sogar recht aufdringlich.
LachmöweSilbermöwe
Oft werden Seeschwalben mit Möwen verwechselt. Die eleganten Flugkünstler sind aber nicht das ganze Jahr hier, sondern kommen aus den Süden zu uns, um hier zu brüten.
Enten und Gänse sind auf den Grünland- und Wasserflächen der Köge regelmäßig in großer Zahl anzutreffen.
Auch ist eine Vielzahl unterschiedlicher Watvogel-Arten zu beobachten. Die häufigsten sind die Austernfischer und die Rotschenkel, obwohl selbst bei ihnen die Bestände rückläufig sind.
AusternfischerRotschenkel
An der Küste sind aber nicht nur die typischen Meeresvögel zu beobachten. In den Randbereichen des Nationalparks sind auch Wiesenbrüter anzutreffen, die anderorts aufgrund intensiver Grünland-Nutzung bereits recht selten geworden sind. Dazu gehören der Kiebitz und die Feldlerche, die sich im Frühling vielerorts noch singend in die Lüfte schraubt.
KiebitzFeldlerche
Über die Ankunft eines Zugvogels freue ich mich jedes Jahr aufs Neue – auf die Kampfläufer. Viele Männchen beginnen schon hier bei uns, ihr Prachtkleid anzulegen. Manche fangen sogar schon mit ihren Balz-Ritualen an, die man mit ein wenig Glück beobachten kann.
Mit etwas Glück ist auch der König der Lüfte zu beobachten – der Seeadler. Es ist schon ein besonderer Anblick, den großen Greifvogel majestätisch durch die Lüfte gleiten zu sehen.
Zwei besonders verheerende Sturmfluten – die von 1362 und die von 1634 – gaben der Nordfriesischen Küste ihr Gesicht. Die Küstenlinie wurde weit nach Osten verschoben, die Halbinsel Eiderstedt nahm ihre heutige Form an, die Nordfriesischen Inseln und Halligen entstanden.
Der Leuchtturm auf der Insel Amrum.
Die Kirche von Süderende auf Föhr.Süderhafen auf Nordstrand.
Fünf Inseln liegen vor der nordfriesischen Küste: Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm und Nordstrand. Sie gehören nicht zum Nationalpark, können also jederzeit besucht werden. Wie es sich für Inseln gehört, können Amrum, Föhr und Pellworm nur mit Fähren erreicht werden. Sylt ist durch einen Eisenbahn-Damm, Nordstrand durch einen Straßen-Damm mit dem Festland verbunden.
Vor der Küste Dithmarschens liegt die Insel Trischen. Sie gehört zur Kernzone des Nationalparks und darf daher nicht betreten werden.
Auf Hallig Langeneß.Hamburger Hallig.
„Schwimmende Träume“ nannte Theodor Storm einst die Halligen, denen er mit seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ ein literarisches Denkmal setzte.
Die zehn Halligen sind kleine, nicht eingedeichte Marsch-Eilande, die wie ein Ring die Insel Pellworm umgeben. Mehrmals im Jahr werden die Halligen während Sturmfluten überflutet, lediglich die Warften mit ihren Häusern ragen dann wie kleine Inseln aus dem Meer.
Auf fünf der Halligen – Hooge, Langeneß, Oland, Gröde und Nordstrandischmoor – sind die Ländereien in Privatbesitz. Diese können jederzeit besucht werden, auch gibt es dort Unterkünfte, um dort den Urlaub zu verbringen.
Norderoog befindet sich im Besitz des Naturschutzvereins Jordsand, die Hamburger Hallig, Habel, Südfall und Süderoog sind Eigentum des Landes Schleswig-Holstein. Für diese fünf Halligen gelten gesonderte Besuchs-Regelungen.
Roter Sandstein prägt das Gesicht der Insel Helgoland.
Wenn wir von den Inseln reden, darf natürlich Helgoland nicht vergessen werden. Die Rote Insel ist aber ein Sonderfall, denn sie liegt – anders als die anderen Inseln – weitab von der Küste, außerhalb des Wattenmeeres. Helgoland ist in vielerlei Hinsicht ein lohnendes Reiseziel. Auch der Naturfreund wird auf der Insel auf seine Kosten kommen, denn auf der Insel lassen sich einige besondere Arten beobachten.
Auch wenn es manchmal etwas langweilig ist, ein paar Eckdaten und Zahlen verdeutlichen manches ungemein. Und für denjenigen, der tiefer in die Materie eintauchen möchte, sind sie trotzdem interessant. Mit einer Fläche von 4410 Quadratkilometern ist der Nationalpark der größte der Bundesrepublik. Er beginnt im Norden an der deutsch-dänischen Seegrenze und endet im Süden an der Elbmündung. Von der Landseite aus gesehen, beginnt das Schutzgebiet 150 Meter von der Deichlinie entfernt.Die Inseln Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm, die mit dem Festland verbundene Insel Nordstrand sowie die fünf größeren und bewohnten Halligen sind aus der Nationalpark-Fläche herausgenommen. Der 26. Juni 2009 war ein weiteres wichtiges Datum für den Nationalpark: Zusammen mit dem Wattenmeer-Nationalpark in Niedersachsen und dem Wattenmeer-Schutzgebiet der Niederlande wurde er von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt. Damit steht er auf einer Stufe mit anderen weltberühmten Naturwundern wie dem Great-Barrier-Riff in Australien, dem Grand Canyon und den Galapagos-Inseln. Im Nationalpark Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer kommen etwa 700 Pflanzen- und 2500 Tierarten vor. Von Würmern, Schnecken und Muscheln bis hin zu Insekten, Fischen, Vögeln und Säugetieren. Unter den Tieren sind etwa 250 Arten, die es nur im Wattenmeer gibt. Werden einzellige Organismen mitgezählt, leben schätzungsweise 5000 bis 10.000 Arten im Nationalpark. Auf der Durchreise zwischen ihren Brutgebieten in den arktischen Regionen und ihren Überwinterungsgebieten legen jedes Jahr rund 10 bis 12 Millionen Vögel eine Rast im Wattenmeer ein. Hier finden sie genug Nahrung, um sich für die oft Tausende von Kilometern lange Reise zu stärken. Der Nationalpark ist in zwei Schutzzonen aufgeteilt. Die Schutzzone 1 ist das Kerngebiet des Nationalparks. Sie umfasst ein gutes Drittel der Nationalpark-Fläche. Dieses Gebiet wird weitgehend der Natur überlassen. In der Schutzzone 2 ist eine eingeschränkte Nutzung erlaubt. In dieser Zone liegt auch das westlich von Sylt und Amrum eingerichtete 1240 Quadratkilometer große Wal-Schutzgebiet.
Da der überwiegende Teil der Nationalpark-Fläche dauernd oder zeitweise von Wasser bedeckt, scheint es auf den ersten Blick recht schwierig, die Tier- und Pflanzenwelt direkt im Schutzgebiet zu erkunden. Unmöglich ist es aber nicht.
Bei Niedrigwasser fallen weite Wattflächen frei
Da infolge der Gezeiten weite Wattflächen trockenfallen, können Teile des Nationalparks betreten werden. Empfehlenswert sind spezielle Führungen ins Watt, bei denen viel Wissenswertes über den Nationalpark vermittelt wird. Wer es hingegen ruhiger möchte, für den ist ein erholsamer Spaziergang im Watt das Richtige. Auch während Schifffahrten gibt es viel zu entdecken – bei regulären Fähr-Verbindungen ebenso wie bei Ausflugsfahrten. Das hört sich jetzt etwas ungewöhnlich an, aber es ist auch möglich, an einer Kutschfahrt durch das Watt teilzunehmen. Die Fahrt führt von Nordstrand zur Hallig Südfall, die zur Kernzone des Nationalparks gehört.
Erholsam und entspannend: zu Fuß im WattGeführte Exkursion ins WattAusflugsfahrt mit dem SchiffMit der Kutsche nach Südfall
Ab März treffen die Ringelgänse in riesigen Schwärmen auf den Halligen ein, um sich dort für den langen Weiterflug in ihre sibirischen Brutgebiete zu stärken. Da die Pflanzen der Salzwiese eine relativ energiearme Nahrung sind, müssen die Gänse täglich über Stunden hinweg sehr viel Gras fressen, um genügend Energiereserven zu bilden, mit denen sie die Strapazen der langen Reise überstehen. Da ist es verständlich, dass die Gänse nicht immer gern gesehene Gäste waren. Das hat sich inzwischen aber zum Glück geändert. Heute freut man sich auf den Halligen auf ihren Besuch und heißt die arktischen Brutvögel auf ihren Frühjahrszug willkommen. Seit 1998 laden die Hallig-Gemeinden, die Naturschutzverbände sowie die Nationalpark-Verwaltung zu den Ringelgans-Tagen ein, um das eindrucksvolle Naturschauspiel des arktischen Vogelzuges live und hautnah zu erleben. Wurden die Ringelgans-Tage im Anfangsjahr noch an zwei Tagen begangen, waren es 2023 bereits drei Wochen.
Ringelgänse auf Hallig HoogeIm Nationalpark-Seminarhaus Hooge werden die Ringelgans-Tage eröffnet
Die Eröffnung findet traditionsgemäß auf der Hallig Hooge statt. Dann sind große Ansammlungen auf den Weiden der Halligen zu sehen, und es bieten sich ausgezeichnete Möglichkeiten, die Ringelgänse zu beobachten. Zu den Ringelgans-Tagen wird auf den Halligen ein umfangreiches Programm mit Exkursionen und Vorträgen geboten, das viel Wissenswertes über die arktischen Brutvögel vermittelt. www.ringelganstage.de
Als Sympathieträger sind die allseits beliebten Seehunde an der gesamten Nordseeküste unbestritten die Nummer Eins. Mit ihren runden Gesichtern, den großen Kulleraugen, der Stupsnase und den an Land tollpatschig wirkenden Bewegungen sammeln sie bei Erwachsenen ebenso Pluspunkte wie bei Kindern. Daher werden sie von den Feriengästen gerne als Postkartenmotiv an die Daheimgebliebenen geschickt oder als plüschiges Urlaubs-Souvenir mit nach Hause genommen. Doch nichts kommt dem faszinierenden und unvergesslichen Erlebnis gleich, die in der Nordsee heimische Robbenart in freier Wildbahn und damit in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Der Bestand an Seehunden ist zum Glück recht groß und auch stabil, so dass bei Fahrten im Wattenmeer immer wieder Seehunde beobachtet werden können. Wer sich nicht auf das Glück verlassen will, für den ist es recht einfach, in den Genuss dieses Erlebnisses zu kommen, da von April bis Oktober – sowohl vom Festland als auch von den Inseln – spezielle Fahrten zu den Seehundbänken angeboten werden.
Ein Ausflugsschiff vor einer SeehundbankRuhende Seehunde auf einer SandbankDie Seehunde wissen, dass ihnen von den Schiffen keine Gefahr drohtDaher lassen sie sich nicht stören …… und können ausgiebig beobachtet werden
Wer sich nicht auf das Glück verlassen will, für den ist es recht einfach, in den Genuss dieses Erlebnisses zu kommen, da von April bis Oktober – sowohl vom Festland als auch von den Inseln – spezielle Fahrten zu den Seehundbänken angeboten werden. Ausgangshäfen auf dem Festland sind Büsum, Strucklahnungshörn auf Nordstrand und Schlüttsiel. All diese Fahrten erfolgen in enger Abstimmung mit der Nationalparkverwaltung. An guten Tagen können es mehrere Hundert Tiere sein, die bei Niedrigwasser auf den Sandbänken ruhen und ausgiebig Sonne tanken. Die Seehunde haben sich schon längst an die Annäherung der Schiffe gewöhnt und wissen, dass ihnen von dort keine Gefahr droht. Daher lassen sich die Seehunde nicht in ihrem wohligen Müßiggang stören und können von den Ausflugsschiffen aus ausgiebig beobachtet, fotografiert oder gefilmt werden. Die Fahrten werden von Experten begleitet, die viel Wissenswertes über Seehunde zu erzählen haben.
Tipp: Zur besseren Beobachtung der Seehunde empfiehlt es sich, ein Fernglas mitzunehmen. Eventuell können auch Ferngläser an Bord ausgeliehen werden.
Der nördlich des Dammes nach Nordstrand gelegene Beltringharder Koog ist mit einer Fläche von 34 Quadratkilometern das größte Naturschutzgebiet auf dem schleswig-holsteinischen Festland. Er wurde 1987 eingedeicht, um die Küstenlinie zu begradigen und so das Hinterland vor Sturmfluten zu schützen. Zwar ging auch bei dieser Eindeichung viel ökologisch wertvoller Lebensraum verloren, doch erstmals diente die eingedeichte Fläche ausschließlich den Zwecken des Naturschutzes. 1991 wurde der gesamte Koog als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Blick über den Beltringharder Koog
Durch ein effizientes Biotop-Management wurden unterschiedliche Lebensräume geschaffen. Im Norden und Osten befinden sich feuchte Grünlandflächen und der Lüttmoorsee, in der Mitte eine von den Gezeiten beeinflusste Salzwasserlagune, im Süden ein Süßwasserbereich und Sukzessionsflächen. Vier Hütten bieten ausgezeichnete Beobachtungsmöglichkeiten – zwei am Lüttmoordamm, eine mit Blick auf die Salzwasserlagune und die vierte mit Blick auf einen kleinen See Betreut wird das Gebiet durch die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz im Beltringharder Koog (AGNB), einem Zusammenschluss aus den vier Verbänden NABU, BUND, Schutzgemeinschaft Wattenmeer und dem WWF. Ein Nationalpark-Infozentrum befindet sich in der Integrierte Station Westküste an der Badestelle Lüttmoorsiel. Es werden Führungen angeboten.
Blick durch eine Beobachtungs-HütteHerbstfärbung im Beltringharder KoogHerbstfärbung im Beltringharder KoogGraugans mit Jungen
Eines kann ich nur empfehlen: Wer das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum besuchen möchte, der sollte genügend Zeit einplanen. Denn das vielseitige und gut aufeinander abgestimmte Angebot aus Aquarien, Ausstellungen und interaktiven Mitmachbereichen lässt den Aufenthalt wie im Fluge vergehen. Eine der Ausstellungen informiert über das Wasserland Schleswig-Holstein und über wandernde Fischarten wie Aale und Meerneunaugen. Sie zeigt die Lebenszusammenhänge der Tiere von den Bächen und Flüssen über den Nationalpark Wattenmeer bis hinaus in den offenen Atlantik. Weitere Exponate zeigen den Weg des Fisches vom Fang in den Supermarkt. Beeindruckend ist ein Diorama, in dem unterschiedliche Fischfang-Methoden dargestellt werden und das einen Eindruck über die Größe der verwendeten Netze gibt. Eine weitere Ausstellung ist dem Stör gewidmet, der noch bis 1969 in der Eider vorkam. Erwachsene wie auch Kinder begeistern sich gleichermaßen für die interaktiven Mitmachbereichen. Wer Lust hat, kann Brandungswellen erzeugen oder einen Krabbenkutter in die Fanggründe steuern – wobei aber darauf geachtet werden muss, dass einem der Diesel nicht ausgeht. Die großen Besucher-Magneten des Nationalpark-Zentrums sind aber das Großraum-Aquarium und das Wal-Haus im Untergeschoss des Nationalpark-Zentrums.
Aquarien im Nationalpark-Zentrum Die Brandungswellen kann man auch von unten betrachtenGemeiner TintenfischNagelrochenSeepferdchen
Die Aquarien Es soll bekanntlich ja beruhigend sein, vor einem Aquarium zu sitzen und den Fischen beim Schwimmen zuzusehen. Wer in der theaterähnlichen Sitzlandschaft vor dem Großraum-Aquarium sitzt und ganz entspannt beobachtet, wie die Fische die hinter der fast 35 Zentimeter dicken Panoramascheibe aus Acryl-Glas ihre Runden drehen, kann das nur bestätigen. Das Großraumaquarium ist eine der Attraktionen des Multimar Wattforums. Das Becken ist sieben Meter tief, sechs Meter breit und fasst etwa 250.000 Liter Wasser. Schwarmfische, aber auch große Fische bis zu einer Länge von zwei Metern – unter ihnen Katzenhai, Stör, Dorsch und Rochen, aber auch Seewolf und Helgoländer Hummer – haben hier eine neue Heimat gefunden. Tipp: Großer Beliebtheit erfreuen sich die Fütterungen der Fische, zu der ein Taucher zweimal in der Woche mit einem Netz voller Fischstücke und Krabben (kein Lebendfutter) ins Aquarium steigt. Mit einem Tauch-Mikrofon ausgerüstet erzählt der Taucher Wissenswertes über die Bewohner des Aquariums und beantwortet Fragen aus den Reihen der Besucher. Neben dem Großraum-Aquarium zeigen weitere 36 Groß- und Sonder-Aquarien mehr als 280 Arten von Fischen, Krebsen, Muscheln und Schnecken in ihren Lebensräumen – von den Oberläufen der Bäche über Brackwasserzonen bis in die Tiefwasserbereiche der Nordsee.
Die Unterwasserwelt im Großraum-AquariumAtlantischer StörHummerFütterung im Großraum-Aquarium
Im Reich der Wale Besonders beeindruckend ist das Wal-Haus im Untergeschoss des Nationalparkzentrums. Blickfang ist das 17,5 Meter lange Skelett eines Pottwals, der 1997 im Wattenmeer strandete: ein Bulle, etwa 45 Tonnen schwer und 25 bis 30 Jahre alt. Scheinbar schwerelos schwebend, hängt das aus 157 Einzelknochen bestehende Originalskelett des sanften Giganten von der Decke. Die linke Körperhälfte ist durch eine Kunststoffhalbschale nachgebildet, die perfekt der Körperform des abtauchenden Tieres nachempfunden wurde. Auf dieser Seite sind am Kopf die Spuren erkennbar, die der Kampf mit einem Riesenkraken hinterlassen haben könnte. Und auf der anderen Seite sind Schädel, Unterkiefer und Zähne zum Anfassen nah. Neben ihm hängt das sechseinhalb Meter lange Skelett eines Zwerg- oder Minkwals, der im August 2012 am Hindenburg-Damm strandete. Eine Körperhälfte ist ebenfalls mit einer Kunststoff-Schale nachgebildet. Im Vergleich zum Pottwal verdeutlicht das aus 152 Knochen bestehende Zwergwal-Skelett anschaulich die Unterschiede zwischen Zahn- und Barten-Walen und deren unterschiedlichen Ernährungsweisen. Dritter im Bunde ist das Skelett eines Grindwals. Der viereinhalb Meter lange Meeressäuger im Oktober 2018 an den Strand von St. Peter-Ording angespült. Grindwale, auch Pilotwale genannt, kommen regelmäßig im Nordatlantik vor. In der südlichen Nordsee sind sie hingegen seltene Irrgäste. Ergänzt werden die Wal-Skelette durch die lebensgroße Modelle von Schweinswalen, der einzigen Walart, die dauerhaft im Nationalpark leben und auch immer mal wieder beobachtet werden können.
PottwalZwergwalModell eines Schweinswals
Fischotter Im nächsten, dem nunmehr fünften Bau-Abschnitt ist eine weitere Attraktion geplant: eine Fischotter-Anlage mit einem Teich und einem Fließgewässer, in dem Besucher die eleganten Schwimmer in ihrem Element beobachten können. Zudem wird es möglich sein, die Tiere durch ein Sichtfenster unter Wasser schwimmen und tauchen zu sehen. Eine Ausstellung wird das informations-Angebot zum Thema Fischotter komplettieren. Die Anlage wird voraussichtlich im Sommer 2023 eröffnet werden.